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23.05.2017 11:05

Call for Papers: Quellen und Methoden der Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter: Neue Zugänge für eine etablierte Disziplin?

Deadline: 15. Juni 2017

Georg-Eckert-Institut Braunschweig (Georg-Eckert-Institut)
Deutsches Historisches Institut Washington (DHIW)
Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)
CLARIN-D Fach-AG Geschichte
AG "Digitale Geschichtswissenschaft" im VHD

Call for Papers:
Quellen und Methoden der Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter:
Neue Zugänge für eine etablierte Disziplin?
DIGIMET 2017
25./26. September 2017
Berlin

In der Geschichtswissenschaft hat die Diskussion um große Datenmengen und der Umgang mit Methoden und Theorien aus verschiedenen disziplinären Kontexten eine lange Tradition. Dennoch scheint die fortschreitende Digitalisierung Fragen und Herausforderungen zu evozieren, die für das Fach neu sind, die nach neuen Arbeitsweisen verlangen und Historiker/innen fordern, den Methodenkanon ihres Faches zu erweitern.

Zum Ende des Projekts „Welt der Kinder. Weltwissen und Weltdeutung in Schul- und Kinderbüchern zwischen 1850 und 1918“ wollen die Projektpartner aus der Geschichts- und Literaturwissenschaft, der Informationswissenschaft und der Informatik gemeinsam mit dem Deutschen Historikerverband (VHD), dem DHI Washington DC, der CLARIN-D Fach-Arbeitsgruppe Geschichte und weiteren historisch arbeitenden oder mit Historiker/innen kooperierenden Fachgemeinschaften den aktuellen Stand der digitalen Geschichtswissenschaften diskutieren. Ziel der Veranstaltung ist es, Chancen, Probleme und Herausforderungen für die Weiterentwicklung digitaler historischer Geisteswissenschaften zu erörtern und insbesondere die Fragen zu adressieren, wie und warum sich der „Werkzeugkasten“ der Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Digitalität verändert hat bzw. verändern sollte.

Die Tagung wird sich auf fünf Themenkomplexe konzentrieren:

1. Digitale Quellen, digitale Werkzeuge und die Notwendigkeit der Erweiterung der historischen Quellenkritik. Hier soll es unter anderem um die Frage gehen, welche Implikationen digitale Quellenkorpora (und deren Entwicklung) und Techniken digitaler Editionen für das Methodenarsenal der historischen Forschung haben. Außerdem soll in einer Art Zwischenbilanz
diskutiert werden, wo und wie in digitalen Projekten signifikante Ergebnisse erzielt bzw. neue historische Erkenntnisse gewonnen wurden, in welchem Verhältnis Aufwand und Ertrag stehen und und wie Historiker/innen mit dem methodischen Eklektizismus umgehen (sollten), der sich zwangsläufig einstellt, wenn sie mit heterogenen – digitalen und analogen – Quellen arbeiten.


2. „Digital Born Sources“ als Herausforderung für die Zeitgeschichte. Social Media und insbesondere die gewachsene Bedeutung von Twitter- und Blogposts als Medien des zunehmend auch wissenschaftlichen Austausches stehen für die schnellen Veränderungen im „digitalen Zeitalter“ und für ganz neue Ordnungen des Wissens. Sie bieten Historiker/innen Massenquellen von Subjekten, die sich in klassischen Archivsystematiken nicht wiederfinden, was für die Forschung die Möglichkeit eröffnet, ganz neue Fragen stellen und beantworten zu können. Archive und Bibliotheken müssen für diese Form des Wissens gleichwohl angepasste Auswahl- bzw. Relevanzkriterien definieren, neue Formate für eine forschungsadäquate Wissensspeicherung entwickeln und sich damit auseinandersetzen, wer den Zugang zu diesem Quellenmaterial regelt (Politik, Industrie, Wissenschaft?). Historiker/innen hingegen werden lernen müssen, mit diesen umfangreichen Datenbeständen methodisch sinnvoll umzugehen. Zudem soll diskutiert werden, welche Tools und kritische Methoden der Auswertung wir entwickeln müssen, wenn Social Media bzw. Hypertexte historisch analysiert und wissenschaftlich reflektiert werden sollen.

3. Neue Arbeitsweisen und die Herausforderungen der Interdisziplinarität. In Abgrenzung zum ersten Themenbereich geht es hier explizit um neue Werkzeuge und Methoden. Über welche Kompetenzen sollten bzw. müssen Forscher/innen oder Arbeitsgruppen verfügen, um sowohl die traditionelle kritische Quellenkritik als auch die für die neuen Medien erforderlichen Methoden anzuwenden? Erwünscht sind sowohl Beiträge, die aus anderen Fächern in die digitale Geschichtswissenschaft eingebrachte Arbeitsweisen thematisieren als auch solche, die sich mit Werkzeugen beschäftigen, die originär für die historische Forschung neu entwickelt worden sind. Ebenso soll diskutiert werden, inwieweit interdisziplinäre, kollaborative Arbeitsweisen aus den DH in den Geschichtswissenschaften Fuß fassen und wie die historische Arbeitsweise auf andere an DH-Projekten beteiligte Fächer zurückwirken. Sehen wir die Informationswissenschaften und Informatik als eine neue „Hilfswissenschaft“ unserer Disziplin? Und welche Rolle spielen die unterschiedlichen disziplinären Vertreter mit ihren Zugängen bei der Anbahnung neuer Projekte in den digitalen Geschichtswissenschaften?
Arbeitsberichte sind hier explizit erwünscht. Die Organisatoren behalten sich vor, parallel laufende Gesprächsrunden zu konkreten Erfahrungen und deren Implikationen anzubieten.

4. Digitale Infrastrukturen, Finanzierung und rechtliche Bedingungen. Viele Projekte leiden momentan an dem „Geburtsfehler“, dass sie aus finanziellen Gründen auf vorhandenes, also nicht explizit für die Fragestellungen eines Projektes digitalisiertes Quellenmaterial zurückgreifen müssen und kommerzielle Tools nicht breit genug anwenden können. Gleichzeitig stehen viele Projekte vor dem großen Problem der langfristigen Sicherung und Pflege digitalisierter Quellen
und den daraus hervorgegangenen Forschungsergebnissen, wie sie beispielsweise in Datenbanken eingegangen und für sie aufbereitet worden sind. Wer kann Nachhaltigkeit in Speicherung und Systempflege garantieren und wie kann diese finanziert werden? Welche Folgen hat es mittel- und langfristig gesehen für die historische Forschung und die Bereitschaft der Forschenden, digital zu arbeiten und zu publizieren, wenn Digitalisate sowie Forschungsergebnisse bereits wenige Jahre nach Projektende nicht mehr zugänglich sind? Der Aspekt finanzieller und technischer Sicherung wird zum einen ergänzt durch Fragen der Qualitätskontrolle digitaler Projekte und ihrer Ergebnisse. Hierfür wäre eine Diskussion über die Ausgestaltung eines spezifischen Rezensions-/Berichtswesen wünschenswert. Zum anderen ergeben sich mit der Digitalisierung von Quellen urheberrechtliche Probleme, die ebenfalls diskutiert werden müssen.
Welche Gemeinsamkeiten, aber auch welche Herausforderungen bestehen in dieser Hinsicht im internationalen Vergleich?

5. Lehre und Ausbildung der Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter. Die Ausformung der digitalen Geschichtswissenschaft bedingt einen geänderten methodischen Zugang zu z.T. neuen Quellengattungen. Die universitäre Ausbildung muss hierauf dringend reagieren und ein verändertes Curriculum in den Grundwissenschaften oder ggf. neue/erweiterte Studiengänge schaffen. Entscheidend ist nicht zuletzt, dass die Digital Humanities und die traditionelle Geschichtswissenschaft die jeweilige Sprache verstehen und das jeweilige Forschungs- bzw. Erkenntnisinteresse nachvollziehen können. Ein intensiver Dialog kann aber nur entstehen, wenn es eine gemeinsame Grundlage gibt. Vorschläge für die Einbindung der Digitalen Geschichtswissenschaft in die bestehende Lehre sind gefragt.

Darüber hinaus interessiert, welche Erfahrungen mit sogenannten Citizen Science-Projekten bestehen und welche man im Sinne der Best-Practice weiterentwickeln sollte.

Die Tagung wird veranstaltet vom Leibniz-Wettbewerbsprojekt „Welt der Kinder“ (koordiniert am GEI Braunschweig), dem DHI Washington/der Max Weber Stiftung (MWS), dem VHD, der F-AG Geschichte in CLARIN-D und der AG „Digitale Geschichtswissenschaft“.

Wir bitten alle Interessierten Abstracts von maximal 300 Wörtern zu formulieren und diese unter Angabe des thematischen Blocks, zu dem die eigene Präsentation möglichst zugeordnet werden soll, bis zum 15.06.2017 über easychair einzureichen.
Bei technischen Problemen oder Rückfragen wenden Sie sich an das Projektteam Dr. Andreas Weiß weiss@gei.de oder Maik Fiedler fiedler@gei.de.

Genaure Angaben zu Tagungsort und –zeit werden frühzeitig genug öffentlich bekanntgegeben.
Zu- bzw. Absagen erfolgen in der zweiten Julihälfte.