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PM: VHD legt Protest gegen die neue Wahlordnung für die Fachkollegienwahl 2019 ein

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Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Stipendium: Forschungsstipendien des IEG für Doktorand*innen

Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) vergibt Forschungsstipendien für...

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Jr. Prof. Sonia Campanini, Juniorprofessur für Filmkultur am Institut für Theater-, Film-
und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main
17.12.2017–19.12.2017, Frankfurt am Main, Goethe-Universität Frankfurt

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06.02.2017 17:36

Symposium: "Geheimnis und Verborgenes im Mittelalter"

17. Symposium des Mediävistenverbandes „Geheimnis und Verborgenes im Mittelalter“,
Universität Bonn, 19. – 22. März 2017

Der Mediävistenverband organisiert alle zwei Jahre an wechselnden Veranstaltungsorten zu
einem bestimmten Themenkomplex ein Symposium. Wissenschaftlern aus dem In- und
Ausland wird so im Rahmen interdisziplinärer Einzel- und Sektionsvorträgen die Gelegenheit
eines überregionalen Austauschs geboten.
Das 17. Symposium des Mediävistenverbandes, das im März 2017 an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Stephan
Conermann stattfindet, trägt den Titel „Geheimnis und Verborgenes im Mittelalter“ und
widmet sich der Erforschung dieser spannenden Phänomene.
Das Geheimnis ist gesellschafts- und kulturkonstituierend, seine „Erfindung ... ist der
Gründungsakt der Kultur“ (Aleida und Jan Assmann). Grenzen des Wissbaren grenzen das,
was in einer Gesellschaft oder Kultur alle (voneinander) wissen, von den nur wenigen
vorbehaltenen Wissensbeständen ab. Das Geheimnis und diese Grenzen sind ebenso
konstitutiv für Kulturen wie die Grenzziehungen zu den erst durch die menschliche Neugier
erreichbaren Wissensbeständen, aber auch zu den als (noch) nicht wissbar verstandenen
(letzten, religiösen) Dingen, die sich etwa in Offenbarungen nicht vollständig enthüllen.
Das Symposium fragt nach der Funktion dieser Phänomene in den verschiedenen
„mittelalterlichen“ (also: vormodernen europäischen und nicht-europäischen)
Gesellschaftsformen. Schleier, Tür, Spiegel, Schatz und Buch sind wiederkehrende
Manifestationen des Geheimen.
Verborgenes wiederum kann als Begriff und Phänomen auf den mit Geheimnis eng
verbundenen Themenkreis der entzogenen Räume und Objekte und ihre jeweiligen
Funktionen in den Gesellschaften bezogen werden, etwa auf Schatzkammern und auf die in
ihnen bewahrten Objekte. Auch entzogene, mit einem Geheimnis umgebene Personen und
Personengruppen gehören hierher.
Für die Erforschung dieser Phänomene interessieren sich internationale Mediävistinnen und
Mediävisten während des aktuellen Symposiums an der Universität Bonn. Das Programm
bietet eine große Bandbreite an Disziplinen, von Geschichte, Theologie, Philologie,
Kunstgeschichte, Medizingeschichte und Archäologie bis hin zur Rechtsgeschichte und
Islamwissenschaft.
Vor diesem Hintergrund werden für die Bonner Tagung die folgenden drei großen
Themenfelder in rund 40 Panels beleuchtet:
Im Zentrum des ersten Themenfeldes „Grenzen, Wege und Zugänge“ stehen die mit den
Geheimnissen und dem Verborgenen einhergehenden, mit ihrer Freilegung durchbrochenen
Grenzen und Grenzziehungen und die mit ihnen verbundenen Vorstellungen und Bildwelten
in ihrer kultur- und gesellschaftskonstituierenden Dimension. Fallstudien aus allen Bereichen
der europäischen Mediävistik und den mit anderen Weltregionen befassten Disziplinen
vermitteln Einblicke in grundlegende Strukturen der betrachteten Gesellschaften und
Kulturen. Hierzu gehören auch die Wege und Zugänge, auf denen man glaubte, zu den
Geheimnissen von Natur und Menschen vorstoßen zu können, zumal allen neuen
Erkenntnisse anders als heute etwas Geheimnisvolles anhaftete.
Das zweite Themenfeld soll das Rätsel um „Eliten und ihr Umgang mit Geheimnis und
Verborgenem“ auflösen. Eliten als Verwalter und Produzenten des kultur- und
gesellschaftskonstituierenden Geheimnisses und als Wahrer verborgener Räume und Objekte
können im jeweiligen Zentrum der Gesellschaft, etwa am Hof, als Kleriker oder Gelehrte
erscheinen, aber auch in eher randständigen Bereichen mit einem nicht verschriftlichten
Geheimwissen. Sie können sich hierbei der wenigen vorbehaltenen Kulturtechniken bedienen,
etwa der Schrift, oder aber eine Traditions- und Initiationsreihe mündlicher Überlieferung
durch die Generationen hinweg etablieren. Geheimwissen kann zudem geschlechtsspezifisch
und nach Altersgruppen verteilt sein. Insofern stellt sich hier ganz allgemein die Frage nach
der spezifischen Auswahl und der Sozialisation verschiedener Typen von Geheimnisträgern.
Im dritten Themenfeld „Geheimnis und Verborgenes: Individuen und Gesellschaften“
wird danach gefragt, wie sich Geheimnis und Verborgenes jeweils an der Grenze von
Öffentlichkeit und Privatheit positionieren und sich hierbei die Grenzen im Laufe der Zeit
verschieben. Was wollte man gar nicht wissen, welche Rolle spielten die wandernden Grenzen
der Scham und des Schamgefühls und von Emotionen im Bereich von Geheimnis und
Verborgenem? Auf interkultureller Ebene stellt sich die Frage, was der einen Kultur an der
anderen geheimnisvoll, was verborgen erschien, wobei (fremde) Kulturen in den Blick
geraten, die man als Hüter von Geheimnis und Verborgenem vermutete oder hierfür sogar
prädestiniert sah.
Neben diesen drei spannenden Themenfeldern erwartet die Teilnehmer vier Gastvorträge, die
auch der Öffentlichkeit zugänglich sein werden. Am ersten Konferenztag wird Herr Prof. Dr.
Giuseppe Veltri vormittags zum Thema „Geheim und Geheimhaltung in der jüdischen und
arabischen Philosophie des Mittelalters: Grundgedanken“ referieren. Abends gibt es die
Gelegenheit, Herrn Prof. Dr. Klaus Krüger zum Thema „Bildcharisma. Heilbringende Schau
und ästhetisches Geheimnis“ zu hören. Die dritte Gastrednerin ist Frau Prof. Dr. Dorothea
Weltecke, die am zweiten Konferenztag einen Vortrag mit dem Titel „Über die drei Ringe –
Religiöse Vielfalt und die Brisanz verborgener Wahrheit“ halten wird. Am dritten und letzten
Tag der Konferenz findet im Anschluss an die Verleihung des Dissertationspreises der Vortrag
von Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann zum Thema „Offenbarung, Geheimnis, Logie.
Beobachtungen über den Versuch, das Unbegreifliche zu erfassen“ statt.
Die Teilnehmer können sich zudem im Vorfeld für die Didaktik-Sektion „Das Mittelalter in
der Schule: Potentiale und Grenzen“ von Frau Prof. Dr. Meike Hensel-Grobe anmelden. Dort
soll aus verschiedenen Perspektiven ausgeleuchtet werden, wie man das Mittelalter für die
Schule durch einen Dialog zwischen Wissenschaft und Schule attraktiv gestalten kann. Die
Kompetenzorientierung bietet beispielsweise über die Aspekte des interkulturellen Lernens
und des Fremdverstehens fachübergreifend Ansatzpunkte, um eine Beschäftigung mit
mittelalterlichen Themen sinnvoll in den Unterricht zu integrieren. Gestaltet wird die Sektion
von Fachwissenschaftlern und von Didaktikern, v.a. von Praktikern aus der Schule. Die
Impulsvorträge aus der Mediävistik sollen ausloten, welche Erkenntnisse Schülerinnen und
Schüler gewinnen können, die ihr Verständnis der Gegenwart fördert und vertieft. Die Lehrer
erklären anhand von Beispielen aus dem Unterricht, welche Chancen und Probleme das
Mittelalter, z.B. in Bezug auf die Kompetenzentwicklung, bietet.
Nicht zu vergessen ist das kulturelle Rahmenprogramm, das das Symposium begleitet. Es gibt
die Gelegenheit an einer Führung durch das Bonner Münster teilzunehmen oder sich einer der
mittelalterlichen Stadtführungen anzuschließen, die vom Institut für Geschichtswissenschaft
der Universität organisiert wird. Im LVR Landesmuseum können im Rahmen einer vom
Kunsthistorischen Institut geplanten Führung die mittelaltelichen Höhepunkte besichtigt
werden. Die Universitäts- und Landesbibliothek wird eine Präsentation von wertvollen
Handschriften anbieten, deren Teilnahme ebenfalls durch vorherige Anmeldung möglich ist.
Ein weiteres Highlight ist die Besichtigung der Doppelkirche in Schwarzrheindorf, einer der
bedeutendsten romanischen Kirchen Deutschlands.
Das aktuelle Programm des Symposiums ist über die Website www.geheimnis.uni-bonn.de
abrufbar bzw. über die Website des Mediävistenverbandes
(http://www.mediaevistenverband.de/). Dort finden Sie ebenfalls zahlreiche Informationen
zum Anmeldeverfahren, den einzelnen Vorträgen sowie der weiteren Organisation.