Lehre und Qualifizierung in der Digitalen Geschichtswissenschaft

 

Die Komplexität historischer Quellen und Inhalte bedingt besondere Anforderungen an die Entwicklung elektronischer Anwendungen zur Generierung neuer Forschungserkenntnisse, die unter Einsatz digitaler Techniken und Verfahren gewonnen werden können. Dies bedeutet zugleich, dass die Datenmodellierung ebenso wie der Wissenstransfer mit digitalen Anwendungen ohne spezifische geschichtswissenschaftliche Fachkenntnisse nicht annähernd optimiert werden können. Umgekehrt führt unzulängliche Kenntnis theoretischer und anwendungsbezogener Informatik bei Historikerinnen und Historikern häufig zu wenig zufriedenstellenden Ergebnissen bei der Entwicklung fachspezifischer digitaler Projekte, selbst wenn diese von hochqualifizierten Informatikerinnen und Informatikern oder Medienspezialistinnen und Medi-enspezialisten mitgetragen werden. Haben in den letzten Jahrzehnten Fachkollegen mit entsprechender Doppelqualifikation die Lücke zwischen Informatik und den historischen Fächern einigermaßen schließen können, ist heute nach Einführung der BA- und MA-Studiengänge kaum noch Raum für die Entwicklung solcher Doppelkompetenz. Infolgedessen fehlt schon jetzt der hochqualifizierte Nachwuchs auf diesem Sektor. Nur konsequent interdisziplinäre Ausbildungskonzepte können in dieser kritischen Lage mittelfristig Abhilfe schaffen und sicherstellen, dass die Geschichtswissenschaft wie bisher auf die Teilfächer zugeschnittene digitale Anwendungen und Ressourcen entwickeln kann. Dies gilt ebenso für die Weiterbildung von Promovierenden und Postdocs, die für ihre Qualifizierungsarbeiten umfangreiche und häufig heterogene Quellencorpora erstellen, erschließen und analysieren.
Dieser Herausforderung möchte sich die AG Digitale Geschichtswissenschaft stellen, indem sie einschlägige Bestrebungen unterstützt, Angebote bekannt macht und eine Plattform zum Austausch anbietet, über die sich derartige Lehr- und Ausbildungskonzepte abstimmen und koordinieren lassen.

Koordination: Christoph Schäfer gemeinsam mit Martin Dröge und Peter Haslinger