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Veranstaltungen

Fakultäten für Soziologie & Geschichtswissenschaften und Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung (IZG) an der Universität Bielefeld, Organisation: Prof. Dr. Heidemarie Winkel, Fakultät für Soziologie
23.10.2017–10.01.2018, Bielefeld, Universität Bielefeld

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Titel: 
Dr.

Nachname: 
Oberländer

Vorname: 
Alexandra

Projekt-, Werk- bzw. Publikationstitel:

"Die Provokation ging auf dem Nevskij spazieren": Die Wahrnehmung sexueller Gewalt im ausgehenden Zarenreich, 1880-1914

Epoche: 
  • Neuere und Neueste Geschichte

Sachgebiet: 
  • Geschlechtergeschichte
  • Kulturgeschichte
  • Osteuropaeische Geschichte
  • Stadtgeschichte

Zusammenfassung der Promotion:

In meiner Arbeit über die Wahrnehmung sexueller Gewalt im ausgehenden Zarenreich habe ich versucht zu zeigen, wie fundamental sich eben jene Wahrnehmung in den Jahren zwischen 1880 und 1914 änderte. Während zunächst die Beweggründe der Täter insofern kaum von Interesse waren, als man sie für verständlich hielt, entdeckten Recht und Medizin im Verlaufe des Untersuchungszeitraums die Täter als Degenerierten und Psychopathen. Dies hatte zur Folge, dass die Taten nicht mehr als Ausdruck eines Willens, sondern vielmehr als Ausdruck einer Krankheit oder gar gesellschaftlichen Entwicklung gedeutet wurden. Der Täter wurde damit entschuldigt. Die Wahrnehmung der Täter in der medialen Öffentlichkeit unterschied sich kaum von derjenigen in Wissenschaftsdisziplinen wie Medizin oder Psychopathologie. Der sozial privilegierte Täter war von besonderem Interesse. Das Attribut „krank“ war den höheren Schichten vorbehalten, das Attribut „Tier“ den unteren Schichten. Die mediale Wahrnehmung sexueller Gewalt konzentrierte auf Fälle, die ein „Klassengefälle“ beinhalteten. Sensationelle Fälle waren diejenigen, in denen Frauen und Mädchen aus den unteren sozialen Schichten von Männern aus den gehobenen Schichten vergewaltigt wurden. Die Opfer sexueller Gewalt waren in der öffentlichen Wahrnehmung zumeist nur von peripherem Interesse. Lediglich in einem Fall aus dem Moskau der 1880er Jahre stand das Opfer insofern im Mittelpunkt, als die Verletzung ihrer Person zum treibenden Motor der Ermittlungen wurde. Auch wenn vordergründig sexueller Missbrauch an Kindern mehr Aufmerksamkeit auf sich zog, hatte dies nicht zur Folge, dass den Mädchen mehr Empathie entgegengebracht worden wäre. Wie bei erwachsenen Frauen auch führte das Misstrauen an ihren Aussagen zur Etablierung des Körpers als der Ort, an dem Wahrheiten abgelesen werden könnten. Missbrauchte Mädchen galten als Gefahr für die Gesellschaft. Nicht nur Medien, sondern auch Wohltätigkeitsorganisationen antizipierten die Zukunft der Mädchen in düsteren Farben: Sie sahen in ihnen Überträgerinnen von Krankheiten und Prostituierte, die das Bedürfnis nach Sex mit Minderjährigen nicht nur wach halten, sondern möglicherweise bei manchen Männern erst wecken würden.

Betreuer/in: 
Prof. Dr. Jörg Baberowski

Universität: 
Humboldt Universität zu Berlin

Eintragsdatum: 
11.01.2011

Jahr (ggf. voraussichtliches) der Veröffentlichung: 
2013

Bemerkung: 
Veröffentlicht unter dem Titel: Unerhörte Subjekte - Die Wahrnehmung sexueller Gewalt in Russland 1880-1910. Frankfurt/Main: Campus, 2013.


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