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VHD Mitglied Barbara Stollberg-Rilinger mit Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet

Barbara Stollberg-Rilinger erhielt am 23. März 2017 die Auszeichnung der Leipziger Buchmesse als...

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Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Stipendium: 21 Promotionsstipendien Altertumswissenschaften und angrenzende Disziplinen

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Veranstaltungen

Kulturwissenschaftliche Gesellschaft e.V.
21.04.2017, Gent, Universität Gent (Belgien)
Deadline: 21.04.2017

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Titel: 
Dr.

Nachname: 
Göderle

Vorname: 
Wolfgang

Projekt-, Werk- bzw. Publikationstitel:

"...für Administration und Wissenschaft." Zensus und Ethnizität: Zur Herstellung von Wissen über soziale Wirklichkeiten im Habsburgerreich zwischen 1848 und 1910.

Epoche: 
  • Neuere und Neueste Geschichte

Sachgebiet: 
  • Wissenschaftsgeschichte

Zusammenfassung der Promotion:

Die Entstehung und Normalisierung neuer Kollektividentitäten im späten 19. Jahrhundert, insbesondere der master category Ethnizität, ereignet sich in einem komplexen Spannungsfeld: Wissenschaftliche Praktiken, neue Vorstellungen von Staatlichkeit und das Entstehen einer neuartigen öffentlichen Sphäre stellen die Modernisierungsbedingungen bereit, die diese Prozesse katalysieren. Die vorliegende Studie zeichnet die Konstruktion und die Entstehung von Vorstellungen von Ethnizität und deren Institutionalisierung im administrativen Kontext und im öffentlichen Sprechen im späten Habsburgerreich nach. Dabei wird auf den Zensus und die mit ihm verbundenen Operationen, Diskurse und Praktiken fokussiert. Entlang dieser analytischen Achse, der von 1848 bis 1910 gefolgt wird, entfaltet sich ein Blick auf die Wirkkräfte, die moderne Gesellschaften hervorbringen: Das Eindringen von „Wissenschaftlichkeit“ in die Lebenswirklichkeit breiterer Bevölkerungsgruppen, die andauernde Auseinandersetzung zwischen BürgerInnen und Staat, und die wirkmächtige Verbreitung neuer Großrepräsentationen in neuen medialen Foren, seien es Karten und Bilder oder Zahlen und Tabellen. An der Schnittstelle von Wissenschafts-, Bürokratie- und Imperialgeschichte verfolgt die vorliegende Studie die Volkszählungen im späten Habsburgerreich als zentrale Praxis der Wissensherstellung. Was wird dabei genau gezählt, welche kollektiven Identitätsvorstellungen sollten daraus hervorgehen, welchen Beitrag leisten wissenschaftliche Weltbilder und Idealvorstellungen von Objektivität? Wie wird das erzeugte Wissen in modernen Gesellschaften verbreitet und wirksam? Weder waren staatliche Institutionen völlig frei in ihrem Handeln, noch waren BürgerInnen passive Subjekte im Zensus. Die moderne Volkszählung entwickelt sich mit den wissenschaftlichen Idealen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ihr reibungsloser Ablauf kann nur gewährleistet werden, wenn hohe Anforderungen erfüllt sind. Insbesondere muss dazu Raum territorial gedacht und administrativ unter Kontrolle gebracht werden. Die Herstellung dieser Vorbedingung wirkt bis in die Gegenwart nach. Mit der modernen Gesellschaft entstehen auch die StaatsbürgerInnen. Diese werden maßgeblich durch die Teilnahme an den großen Volkszählungen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts definiert, in deren Rahmen BürgerInnen nicht nur als Individuen entworfen, sondern auch mit neuen Identifikationszwängen konfrontiert werden. Neben Klasse und Geschlecht wurde insbesondere Ethnizität zu einem zentralen Schauplatz einer Auseinandersetzung, in der Bürokratien keinesfalls allmächtig waren und BürgerInnen vehementen Widerstand leisteten. Neue Möglichkeiten und Vernetzungsformen zur Herstellung wissenschaftlicher Evidenz verengten zugleich gewohnte politische Handlungsräume: Internationale statistische Kongresse schufen verbindliche Vorgaben, Regierungen, die sich über diese hinwegsetzen wollten, setzten ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Studie untersucht die Entstehung und Verbreitung von Ethnizität als Kategorie der sozialen Welt anhand eines umfassenden Quellenkorpus an der Schnittstelle von Wissenschafts-, Bürokratie- und Imperialgeschichte.

Betreuer/in: 
Heidemarie Uhl

Universität: 
Graz

Eintragsdatum: 
21.08.2015

Jahr (ggf. voraussichtliches) der Veröffentlichung: 
2015

Bemerkung: 


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