Mitteilungen aus dem Verband

VHD protestiert gegen geplante Gesetzesänderung, die die Existenz der CEU in Ungarn bedroht

Aktueller Nachtrag am 25.04.2017: Dr Miklós Király, Professor für Rechtswissenschaften und Leiter...

RSS |  Weitere Mitteilungen »

Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Tagung: Assesment of Significance im Deutschen Historischen Museum, 11.-13.05.

Vom 11.05.–13.05.2017 findet im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums eine internationale...

RSS |  Weitere Neuigkeiten »

Veranstaltungen

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Senatsverwaltung für Kultur und Europa
15.05.2017–15.05.2017, Berlin, Straße der Pariser Kommune, zwischen Lange Straße und Singerstraße
Deadline: 15.05.2017

RSS |  Weitere Veranstaltungen (H-Soz-u-Kult) »

Geflüchtete & Europa

 

Stellungnahme des Arbeitskreises Außereuropäische Geschichte (AAG) des VHD

„Globalisierung“ hat für viele Menschen derzeit eine neue Bedeutung erhalten. Kriege und Zerstörungen, individuelle wie kollektive Verfolgung und existentielle Bedrohung veranlassen so viele Menschen wie seit langem nicht mehr, ihre Heimat zu verlassen und nach Europa zu fliehen. Die nun stattfindenden Begegnungen und Auseinandersetzungen bringen riesige Herausforderungen sowohl für die Ankommenden wie auch für die bereits Ansässigen mit sich. Bei vielen Europäerinnen und Europäern wachsen Zukunftssorgen und -ängste. Vielen scheint die raum-zeitliche Idee Europas, die auf Stabilität, Fortschritt und Planbarkeit beruht, in Gefahr und nur durch Grenzziehungen, nicht zuletzt gegenüber „dem Islam“, zu retten zu sein. Und doch kann die Situation auch als Chance der Be¬währung gesehen werden, zur Erprobung bereits  gewachsener „europäischer“ Werte, zu denen Menschenrechte und speziell das Asylrecht gehören. Zahlreiche neue Perspektiven öffnen sich – von einer zivilgesellschaftlichen „Willkommenskultur“ bis zum Ende des demographischen und möglicher¬weise ökonomischen Niedergangs. Speziell die Deutschen entdecken die Chance, ihr Image im In- und Ausland zu verändern: Etwa die Hälfte der Deutschen gab laut einer jüngsten Umfrage denn auch an, sich schon unterstützend eingebracht zu haben, die aktuelle Shell-Jugendstudie verweist auf ein deut¬lich zunehmendes gesellschaftliches und politisches Engagement. Ob kurzfristige Konjunkturen der öffentlichen Debatte auf diese Trends wirken, bleibt abzuwarten.
Als Historikerinnen und Historiker ist es uns ein großes Anliegen, daran zu erinnern, dass Europa nicht erst jetzt, sondern schon sehr lange ein Kontinent der Migration ist, der seit vielen Jahrhunderten sehr intensiv mit Menschen aller Weltregionen verbunden ist. Seit der Antike war die „Alte Welt“ geprägt durch Migration, enge Kontakte und Auseinandersetzungen zwischen Europa, Asien und Afrika. Ab dem 15. Jahrhundert bedeuteten die „Entdeckung“ und dann die Kolonialisierung „neuer Welten“ rund um den Globus Reichtum und Macht, aber auch immer neue Herausforderungen für Europa. Das „Ius emigrandi“ des Augsburger Religionsfriedens (1555), also das Recht, sein Territorium bei Andersgläubigkeit des Fürsten zu verlassen, wurde zum Fundament individueller Grundrechte. Seither und vermehrt im 19. und 20. Jahrhundert fanden Millionen von Europäerinnen und Europäer Zuflucht und eine neue Heimat in aller Welt. Zugleich wurde Europa selbst zum Einwanderungskontinent: Politisch oder religiös Verfolgte sowie Arbeitsmigranten – erzwungen oder „freiwillig“ – kamen nun zunehmend auch aus anderen Teilen der Welt. Fast vergessen ist beispielsweise, dass schon im Ersten Weltkrieg Hundertau¬sende afrikanischer, asiatischer und karibischer Soldaten und Arbeiter nach Europa geholt wurden. Ihnen folgten Flüchtende vor Bürgerkriegen, Diktaturen und fehlender Zukunftshoffnung im „globalen Süden“. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hatten die extrem ungleichen Macht- und Austauschbeziehungen, die Europa in der Welt geschaffen hatte. Aber trotz allen Leids, von dem sie zeug¬ten, haben globale Migrationsströme auf Dauer immer auch positive Impulse gegeben—nicht nur für die Wandernden selbst, sondern vor allem auch für die aufnehmenden Gesellschaften.
Aus diesem Wissen heraus unterstützen wir als Historikerinnen und Historiker nachdrücklich das zivilgesellschaftliche Engagement für die in Europa und Deutschland Schutzsuchenden. Dieses gab wichtige Impulse für die politischen Entscheidungen der letzten Wochen. Wir rufen auf zu verantwortlichem und mitmenschlichem Handeln gegenüber den Menschen, die sich gezwungen sehen, unter widrigsten Umständen ihre Heimat aufzugeben; gegenüber denen, die sich bis an den Rand  der Kräfte im Haupt- und Ehrenamt für die Ankommenden einsetzen; sowie gegenüber denjenigen, die Ängste um ihre Zu¬kunft hegen und sich infolge wirtschaftlicher und sozialer Strukturen manchmal auch in Deutschland heimatlos fühlen.
Wir treten aber auch mit aller Entschiedenheit fremdenfeindlicher Gewalt entgegen und allen Versuchen, die gegenwärtigen Heraus¬forderungen zu benutzen, um in unverantwortlicher Weise – in der Öffentlichkeit oder in der Politik – Ängste zu schüren, Gewalt zu säen, neue Zäune zu errichten, Menschen auszugrenzen und zu stigmatisieren.
Der Vorstand des AAG
Sebastian Dorsch (Erfurt), Barbara Mittler (Heidelberg),
Achim von Oppen (Bayreuth), Anke Ortlepp (Kassel)