Mitteilungen aus dem Verband

VHD Mitglied Barbara Stollberg-Rilinger mit Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet

Barbara Stollberg-Rilinger erhielt am 23. März 2017 die Auszeichnung der Leipziger Buchmesse als...

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Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Stipendium: 21 Promotionsstipendien Altertumswissenschaften und angrenzende Disziplinen

Doktorandenstipendien(Altertumswissenschaften und angrenzende Disziplinen)Der Exzellenzcluster 264...

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Pressemitteilung
26. September 2014

VHD hat renommierte Forschungspreise auf dem 50. Deutschen Historikertag vergeben

Der VHD hat am 25. September 2014 auf der Festveranstaltung des 50. Deutschen Historikertages zwei herausragende Habilitationen und eine herausragende Dissertation ausgezeichnet. Zudem wurden vier herausragende Poster im Wettbewerb des Doktorandenforums prämiert und zwei herausragende Forschungsleistungen von Schülerinnen und Schülern geehrt.

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. vergibt alle zwei Jahre im Rahmen des Deutschen Historikertages Preise zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Am gestrigen Abend wurden folgende Preisträger ausgezeichnet:

Preisträger

PD Dr. Elke Seefried erhält den Carl-Erdmann-Preis

Am 25. September 2014 wurde Elke Seefried für ihr Werk „Zukünfte. Zukunftsforschung und Expertise in den 1960er und 1970er Jahren“ ausgezeichnet. Der Carl-Erdmann-Preis ist mit 6.000€ dotiert und wird für herausragende Habilitationen vergeben.

In ihrer Habilitationsschrift untersucht Elke Seefried die Geschichte der Zukunftsforschung in den westlichen Industriestaaten. Sie zeigt auf, dass diese nach 1945 aus einer amerikanisch-westeuropäischen Zirkulation von Wissen und den Denksystemen des Kalten Krieges entstand. Sie beleuchtet die epistemologischen Zugänge und Denkstile, die zu verschiedenen Konzeptionalisierungen von Zukunftsforschung führten, den Aspekt medialer Konstruktion, die transatlantischen Netzwerke und ihre Bedeutung für den Globalitätsdiskurs der 1960er und 1970er Jahre sowie die Dimension der Wissensverwendung, indem sie Expertisen der Zukunftsforscher für die politische Planung analysiert.

Trotz ihrer großen inneren Heterogenität lässt sich, so Seefried, als Kennzeichen der frühen Zukunftsforschung ein überzogenes, geradezu hybrides Steuerungsdenken herausarbeiten, das in der überragenden Bedeutung der Kybernetik und im Systemwettlauf des Kalten Krieges gründete. In diesem Sinne gerann die Zukunftsforschung aus der Überzeugung, dass die „Zukünfte“ vorausgesagt und gesteuert werden könnten und müssten. Zugleich betont Seefried die Zäsur der Jahre um 1970: Schon vor der ersten Ölkrise kippte die Zukunftsforschung in globale Krisenszenarien, debattierte über die „Grenzen des Wachstums“ und fachte damit die Krisenwahrnehmungen der 1970er Jahre an. In der Folge geriet sie selbst in eine Krise, denn immer deutlicher wurden die Grenzen ihres Anspruchs, die „Zukünfte“ steuern zu können.

Elke Seefried, Diplom-Betriebswirtin (FH), studierte Betriebswirtschaftslehre, Geschichte und Politikwissenschaften. Ihre Dissertation „Reich und Stände. Ideen und Wirken des deutschen politischen Exils in Österreich 1933-1938“ wurde 2010 mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Anschließend bearbeitete sie den Band „In der Defensive. Briefe 1933-1945“ der Edition „Stuttgarter Ausgabe“ der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, für den sie 2009 den Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnispreis erhielt. Seefried tritt im Oktober eine Professur für Neueste Geschichte an der Universität Augsburg in Verbindung mit der Stelle der Zweiten stellvertretenden Direktorin am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin an.


PD Dr. Lars Behrisch erhält den Carl-Erdmann-Preis

Am 25. September 2014 wurde Lars Behrisch für sein Werk „Die Berechnung der Glückseligkeit. Statistik und Politik in Deutschland und Frankreich im späten Ancien Régime“ ausgezeichnet Der Carl-Erdmann-Preis ist mit 6.000€ dotiert und wird für herausragende Habilitationen vergeben.

In seiner Habilitationsschreiben fragt sich Lars Behrisch, seit wann wir in einem Zeitalter der Statistik leben. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts begannen die Regierungen insbesondere der deutschen Territorien und Frankreichs, alle möglichen Bereiche des öffentlichen Lebens zu beziffern und zu berechnen, um nachhaltiger in die Entwicklung der Staaten eingreifen, ja die irdische „Glückseligkeit“ ihrer Untertanen herbeiführen zu können. Zugleich begann Statistik die allgemeine Wahrnehmung zu verändern, indem sie den Blick immer mehr auf funktionale Zusammenhänge und materielle Effizienz richtete. Die Erforschung der Wurzeln statistischer Welterkenntnis trägt folglich auch dazu bei, die Wahrnehmungslogiken unserer modernen Welt besser zu verstehen und zu hinterfragen.

Lars Behrisch, geboren 1973 in München, studierte Geschichte, Russistik und Islamwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Hamburg. Er promovierte bei Heinz Schilling mit einer Arbeit zu Kriminalität, Strafjustiz und städtischer Verfassung in Görlitz im 15. und 16. Jahrhundert. Die Habilitation ging hervor aus einer langjährigen Mitarbeit am SFB „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“ an der Universität Bielefeld. Gegenwärtig lehrt Lars Behrisch an der Universität Utrecht.


Dr. Eva Maria Gajek erhält den Hedwig-Hintze-Preis

Am 25. September 2014 wurde der Hedwig-Hintze-Preis an Eva Maria Gajek für ihr Werk „Imagepolitik im olympischen Wettstreit. Die Spiele von Rom 1960 und München 1972“ ausgezeichnet. Der Hedwig-Hintze-Preis ist mit 5.000€ dotiert und wird für eine herausragende Dissertation verliehen.

In ihrer Doktorarbeit stellt Eva Gajek heraus, dass die ehemaligen Achsenmächte Deutschland und Italien die Olympischen Spiele 1960 in Rom und 1972 in München nutzten, um sich nach Faschismus und Völkermord der Weltgemeinschaft neu zu präsentieren. Die Dissertation fragt in einem binationalen Vergleich auf welche Weise die beiden Länder diese „kulturelle Re-Integration“ anstrebten und erreichten. Nicht die sportlichen Leistungen, sondern die Organisation, Umsetzung und Deutung der Spiele in Medien und Öffentlichkeit stehen im Vordergrund der Arbeit. Die Dissertation verknüpft damit medien-, politik-, und organisationsgeschichtliche Aspekte.

Eva Maria Gajek, geb. 1981, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fachjournalistik Geschichte/ Historisches Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zuvor absolvierte sie ein Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, der Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend von 2007-2010 war Eva Gajek Stipendiatin am Graduiertenkolleg „Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“, die Promotion erfolgte bei Prof. Dr. Frank Bösch 2011.

Prämierung des Doktorandenforums auf dem 50. Deutschen Historikertag

Auf dem 50. Deutschen Historikertag wurden 48 Promotionsprojekte im Rahmen des Doktorandenforums ausgestellt. Das Doktorandenforum und dessen Prämierung wird mit freundlicher Unterstützung der Gerda-Henkel-Stiftung durchgeführt.
Eine fünfköpfige Jury hat folgende Poster prämiert:

1. Preis: Katharina Tugend (Duisburg-Essen): Die kommunikative Konstruktion des konjugalen Bandes: Die Briefe von Margherita und Francesco di Maco Datini (1384-1410)

2. Preis: Klaus Neumann (Berlin): Freiheit am Arbeitsplatz. Die Debatte über Betriebs-demokratie in Deutschland und Schweden, 1880-1950

3. Preis: Katrin Jordan (Potsdam): Tschernobyl und die Medien. Die „Tschernobyl“-Debatte in der bundesdeutschen und französischen Medienöffentlichkeit 1986-1991/92

3. Preis: Michael Buchner (Heidelberg/Regensburg): Kulturelle und institutionelle Faktoren der Entwicklung moderner Finanzmärkte. Ein Vergleich zwischen Londoner und Berliner Börse, 1871-1914

Der 3. Preis wurde zu gleichen Teilen vergeben.

Verleihung der Schülerpreise des VHD an Sonja Caterina Thau, Malte Leimbach, Maria Junker und Jan Schmelter

Am 25. September 2014 wurden Sonja Caterina Thau, Malte Leimbach, Maria Junker und Jan Schmelter für ihre herausragenden Forschungsleistungen im Fach Geschichte mit dem Schülerpreis des VHD ausgezeichnet. Dieser wird in Kooperation mit freundlicher Unterstützung der Körber-Stiftung statt.
 
Sonja Caterina Thau: Vertraute Fremde. Die nachbarschaftliche Beziehung zwischen Ost- und Westdeutschen zu Zeiten der deutschen Teilung am Beispiel der Pakethilfe der Bielefelder Diakonie

Malte Leimbach, Maria Junker und Jan Schmelter: Konflikt und Entspannung - Zwischen Kontakt und Segregation. Die schwierige Nachbarschaft von Briten und Deutschen in Detmold seit dem Zweiten Weltkrieg

Kontakt:
Dr. Nora Hilgert (Geschäftsführung)
Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.
Goethe-Universität Frankfurt, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt, Tel.: 069 79832571, 01736624432,
E-Mail: hilgert@historikerverband.de

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands ist die Interessenvertretung des Faches Geschichte gegenüber gesellschaftlichen Organisationen und staatlichen Behörden, er unterstützt die internationale Vernetzung der Geschichtswissenschaft, setzt sich für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein und veranstaltet im zweijährigen Rhythmus den Deutschen Historikertag. Der VHD hat zurzeit 2.800 Mitglieder.

V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel (Vorsitzender) / Prof. Dr. Johannes Paulmann (Schriftführer)