Aktuelles & News

Arbeitskreis Außereuropäische Geschichte (AAG) des VHD in Kooperation mit der
Erfurter RaumZeit-Forschung (ERZ) und dem Forschungszentrum Gotha (FZG)

Call for Paper für den Workshop
“Geschichte(n) über Räume und Zeiten. Translokale Perspektiven auf globale RaumZeiten“
(Gotha, 26./27. April 2018)

Skizze & Fragestellung
Seit geraumer Zeit diskutieren viele Historikerinnen und Historiker über geeignete räumliche Bezüge
sowie, seit Kurzem, auch wieder vermehrt über zeitliche Referenzen historischen Arbeitens. Sowohl
für Vertreterinnen und Vertreter der weltregional als auch der globalgeschichtlich ausgerichteten
Historiographie, also der Area und der Global History, gehen diese Fragen an das grundsätzliche
Verständnis eines Faches, das sich primär der Nationalgeschichte verpflichtet fühlte und das nun selbst
eine „Globalisierung“ erlebt. Diese Fragen richten sich ebenso an Europa-, National- und
Landeshistorikerinnen und -historiker, zumal sie die Struktur des Faches betreffen: Doch inwieweit
begründen lokale, regionale, nationale und globale Perspektiven auf Geschichte heute überhaupt noch
unterschiedliche Teildisziplinen? Wie beeinflussen Zeiten und Zeitvorstellungen dabei historisches
Arbeiten und Selbstverständnis? Und was meint in diesem Zusammenhang bzw. was ist überhaupt
Globalgeschichte?
Der geplante Workshop führt damit eine auf der letzten AAG-Tagung in Bayreuth („Geschichte(n) der
Zukunft: Außereuropäische Herausforderungen“, Oktober 2015) angestoßene und in einem
Diskussionsforum auf H-Soz-Kult 2017 fortgesetzte Debatte weiter. Hierfür fokussiert er translokale
und raum-zeitlich-dynamische Perspektiven.
Der Begriff der Translokalität geht auf Diskussionen am Zentrum Moderner Orient/ZMO aus den
2000er Jahren zurück und will einen Beitrag dazu leisten, wie wir Geschichtsschreibung in einer nicht
mehr primär national, sondern global verstandenen Welt betreiben. Forschungspraktisch gingen die
Initiatorinnen und Initiatoren von außereuropäischen Süd-Süd-Beziehungen aus und untersuchten
„die Interaktion und Verbindung zwischen Orten, Institutionen, Akteuren und Konzepten über reale
und gedachte Grenzen hinweg“. Translokalität geht also – kurz gefasst – von einem immer wieder neu
zu (re-)produzierenden Raum des Lokalen aus, in dem das Alltägliche ge- und erlebt wird und der
gleichzeitig ständig transzendiert/überschritten wird. Er bietet damit einerseits die Möglichkeit, aus
konkret-lokalen Perspektiven Beziehungen und Verschränkungen zwischen dem Lokalen und dem
jenseits des Lokalen, dem „Globalen“ in den Blick zu bekommen – mitsamt den damit verbundenen
Machtbeziehungen. Für die Betrachtung der Raum-Macht-Verhältnisse ist die Annahme der engen
Verschränkung von Akteuren und ihren translokalen (Um-)Welten ebenso zentral wie die zugehörigen
Lokalisierungs-, Einrichtungs- und Aneignungspraktiken.
Gleichzeitig bietet der Ansatz der Translokalität unserer Ansicht nach ein hohes Reflexionspotential für
die Forschung zur raum-zeitlichen Konstitution menschlicher Gesellschaften und damit für die oben
aufgeworfenen Frage nach geeigneten räumlichen und zeitlichen Bezügen historischen Arbeitens – ein
Potential, auf das dieser Workshop abzielt. „Raum“ ist zwar seit einigen Jahren zu einer zentralen
Analysekategorie kulturwissenschaftlichen Arbeitens geworden. Gleichwohl scheinen in der
Geschichtswissenschaft zumindest auf einer konzeptionellen Ebene Raumkonzepte im Vordergrund zu
stehen, die mit de Certeau lesbar sind und die stabile Grenzen aufweisen, seien es Stadt-, Landes- oder nationale Grenzen, seien es Grenzen zwischen Europa und „Außereuropa“ oder zwischen anderen definierbaren Weltregionen. Auch wenn diese Grenzen wie beispielsweise in der transnationalen oder transregionalen Geschichtsschreibung als überwindbar gelten, werden die durch sie definierten Räume (Nationalstaaten bzw. Regionen) zunächst vorausgesetzt. Auch die wieder erstarkte (historische) Debatte zum Komplex „Zeit“ setzt sich intensiv mit dem Verhältnis und den (Nicht-) Abgrenzbarkeiten verschiedener „Zeitschichten“ (Koselleck) auseinander. So führte Achim Landwehr, den wir für den Abendvortrag gewinnen konnten, den Begriff der „Chronoferenz“ ein, also „die Idee, dass eine Gegenwart die Möglichkeit hat, sich auf vielfältige Weise auf abwesende Zeiten zu beziehen.“
Mit der Verbindung translokaler und raum-zeitlich-dynamischer Perspektiven sollen die skizzierten
Debatten reflektiert und zusammengeführt werden. Translokalität geht (in unserer Lesart) von einem
raum-zeitlichen Konzept des Lokalen bzw. des Lokalisierens aus. Es versteht sich nicht per se als stabil, sondern mit Lefebvre als immer wieder (re-)produzierte RaumZeit, als die alltäglich ge- und erlebte raum-zeitliche Umwelt – also als eine RaumZeit, mit der die Akteure wie im de Certeau’schen Parcours in einem dynamischen (und machtvollen) Wechselverhältnis stehen. Indem Zeit als Teil einer RaumZeit gedacht wird, gerät einerseits das Dynamische (wie auch Stillstellungen/Institutionalisierungen) in den Blick, andererseits Verortungs- und Aneignungspraktiken bezüglich einer dezidiert raum-zeitlich verstandenen Umwelt mit ihren Raum- und Zeitschichten.

Die Erfurter RaumZeit-Gruppe (ERZ) sowie das Forschungszentrum Gotha haben sich für methodische
Diskussionen dieser Art in den letzten Jahren einen Namen gemacht und bieten sich in besonderer
Weise als Kooperationspartner und Gastgeber an.

Aufruf an Beitragende/Call for Paper:
Für die Tagung suchen wir ca. 20-minütige Beiträge, die anhand konkreter historischer Konstellationen
die oben skizzierten methodischen Fragestellungen und Spannungsverhältnisse in den Blick nehmen.
Beiträge aus der „außer-europäischen“ Geschichte sind besonders willkommen, ebenso wie Europaund
Globalhistoriker*innen, die sich mit den skizzierten Fragestellungen auseinandersetzen. Da das
Konzept der Translokalität zudem eine stark interdisziplinäre Entstehungsgeschichte
(Migrationssoziologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaften, Area Studies) aufweist, kann und soll
sich dies auch in den Diskussionen und im Teilnehmerfeld des geplanten Workshops widerspiegeln.
Für Beitragende können Reisekosten übernommen werden.
Bei Interesse senden Sie bitte bis zum 31. Januar 2018 eine ca. einseitige Projektskizze und einen ca.
einseitigen Lebenslauf an Sebastian Dorsch sebastian.dorsch@uni-erfurt.de . Bei Nachfragen melden
Sie sich gerne unter dieser Adresse.

Geflüchtete & Europa

Stellungnahme des Arbeitskreises Außereuropäische Geschichte (AAG) des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)

10.12.2015


„Globalisierung“ hat für viele Menschen derzeit eine neue Bedeutung erhalten. Kriege und Zer-störungen, individuelle wie kollektive Verfolgung und existentielle Bedrohung veranlassen so viele Menschen wie seit langem nicht mehr, ihre Heimat zu verlassen und nach Europa zu fliehen. Die nun stattfindenden Begegnungen und Auseinandersetzungen bringen riesige Herausforderungen sowohl für die Ankommenden wie auch für die bereits Ansässigen mit sich. Bei vielen Europäerinnen und Europäern wachsen Zukunftssorgen und -ängste. Vielen scheint die raum-zeitliche Idee Europas, die auf Stabilität, Fortschritt und Planbarkeit beruht, in Gefahr und nur durch Grenzziehungen, nicht zuletzt gegenüber „dem Islam“, zu retten zu sein. Und doch kann die Situation auch als Chance der Bewährung gesehen werden, zur Erprobung bereits  gewachsener „europäischer“ Werte, zu denen Menschenrechte und speziell das Asylrecht gehören. Zahlreiche neue Perspektiven öffnen sich – von einer zivilgesellschaftlichen „Willkommenskultur“ bis zum Ende des demographischen und möglicherweise ökonomischen Niedergangs. Speziell die Deutschen entdecken die Chance, ihr Image im In- und Ausland zu verändern: Etwa die Hälfte der Deutschen gab laut einer jüngsten Umfrage denn auch an, sich schon unterstützend eingebracht zu haben, die aktuelle Shell-Jugendstudie verweist auf ein deutlich zunehmendes gesellschaftliches und politisches Engagement. Ob kurzfristige Konjunkturen der öffentlichen Debatte auf diese Trends wirken, bleibt abzuwarten.
Als Historikerinnen und Historiker ist es uns ein großes Anliegen, daran zu erinnern, dass Europa nicht erst jetzt, sondern schon sehr lange ein Kontinent der Migration ist, der seit vielen Jahrhunderten sehr intensiv mit Menschen aller Weltregionen verbunden ist. Seit der Antike war die „Alte Welt“ geprägt durch Migration, enge Kontakte und Auseinandersetzungen zwischen Europa, Asien und Afrika. Ab dem 15. Jahrhundert bedeuteten die „Entdeckung“ und dann die Kolonialisierung „neuer Welten“ rund um den Globus Reichtum und Macht, aber auch immer neue Herausforderungen für Europa. Das „Ius emigrandi“ des Augsburger Religionsfriedens (1555), also das Recht, sein Territorium bei Andersgläubigkeit des Fürsten zu verlassen, wurde zum Fundament individueller Grundrechte. Seither und vermehrt im 19. und 20. Jahrhundert fanden Millionen von Europäerinnen und Europäer Zuflucht und eine neue Heimat in aller Welt. Zugleich wurde Europa selbst zum Einwanderungskontinent: Politisch oder religiös Verfolgte sowie Arbeitsmigranten – erzwungen oder „freiwillig“ – kamen nun zunehmend auch aus anderen Teilen der Welt. Fast vergessen ist beispielsweise, dass schon im Ersten Weltkrieg Hundertau¬sende afrikanischer, asiatischer und karibischer Soldaten und Arbeiter nach Europa geholt wurden. Ihnen folgten Flüchtende vor Bürgerkriegen, Diktaturen und fehlender Zukunftshoffnung im „globalen Süden“. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hatten die extrem ungleichen Macht- und Aus-tauschbeziehungen, die Europa in der Welt geschaffen hatte. Aber trotz allen Leids, von dem sie zeugten, haben globale Migrationsströme auf Dauer immer auch positive Impulse gegeben—nicht nur für die Wandernden selbst, sondern vor allem auch für die aufnehmenden Gesellschaften.
Aus diesem Wissen heraus unterstützen wir als Historikerinnen und Historiker nachdrücklich das zivilgesellschaftliche Engagement für die in Europa und Deutschland Schutzsuchenden. Dieses gab wichtige Impulse für die politischen Entscheidungen der letzten Wochen. Wir rufen auf zu verantwortlichem und mitmenschlichem Handeln gegenüber den Menschen, die sich gezwungen sehen, unter widrigsten Umständen ihre Heimat aufzugeben; gegenüber denen, die sich bis an den Rand  der Kräfte im Haupt- und Ehrenamt für die Ankommenden einsetzen; sowie gegenüber denjenigen, die Ängste um ihre Zukunft hegen und sich infolge wirtschaftlicher und sozialer Strukturen manchmal auch in Deutschland heimatlos fühlen.
Wir treten aber auch mit aller Entschiedenheit fremdenfeindlicher Gewalt entgegen und allen Versuchen, die gegenwärtigen Herausforderungen zu benutzen, um in unverantwortlicher Weise – in der Öffentlichkeit oder in der Politik – Ängste zu schüren, Gewalt zu säen, neue Zäune zu errichten, Menschen auszugrenzen und zu stigmatisieren.
Der Vorstand des AAG
Sebastian Dorsch (Erfurt), Barbara Mittler (Heidelberg),
Achim von Oppen (Bayreuth), Anke Ortlepp (Kassel)

Ziele

  • außereuropäische Erfahrungswelten stärker in das Bewusstsein einer "allgemeinen" Geschichtswissenschaften zu heben
  • die Geschichtswissenschaften innerhalb der Area-Studies zu stärken
  • der Perspektive  der traditionellen „Übersee“- bzw. Kolonialgeschichte die Perspektive der einzelnen außereuropäischen Regionen gegenüber zu stellen
  • die spezifische Expertise von Vertretern/Vertreterinnen der außereuropäischen Geschichte hinsichtlich der Sprachen und Kulturen der einzelnen Regionen gegenüber allgemeineren globalgeschichtlichen Ansätzen zu stärken
  • den Austausch zwischen allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, national und international, die zur außereuropäischen Geschichte arbeiten, zu fördern und zu intensivieren
  • Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die zu außereuropäischen Themen arbeiten, mit einem wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Netzwerk zu unterstützen
  • den Nachwuchs zu fördern und zu unterstützen
  • Themen und Forschungen zur außereuropäischen Geschichte in der Wissenschafts- und Kulturlandschaft der Bundesrepublik inner- wie außerhalb der Universitäten, und hier besonders in den Schulen, dauerhaft zu verankern
  • auf Schul- und Hochschulcurricula einzuwirken, um die stärkere Berücksichtigung außereuropäischer Erfahrungswelten durchzusetzen
  • eine interessierte Öffentlichkeit in den Medien, kulturellen Institutionen und in der Erwachsenenbildung anzusprechen

Tagung „Geschichte(n) der Zukunft - Außereuropäische Herausforderungen“
an der Bayreuth Academy of Advanced African Studies

 9.-10. Oktober 2015

Die Idee einer sich mehr oder weniger gradlinig aus der Vergangenheit entfaltenden „Zukunft“ hat in der Geschichte der Moderne eine immense Dynamik entwickelt. Sich wandelnde Projektionen „besserer“ oder auch katastrophaler Zukünfte haben eine enorme Bedeutung für die Legitimation gesellschaftlichen Handelns gewonnen. Sie haben also ihre eigene Geschichte. Die Tagung soll dazu beitragen, die bisher weitgehend auf Europa und dessen Ausstrahlung beschränkte Debatte über „vergangene Zukunft“ (Koselleck) räumlich zu öffnen und grundsätzlicher über den Zusammenhang zwischen zeitlichen und räumlichen Dimensionen von Zukunftsentwürfen weltweit nachzudenken. Die meist fallstudienartigen Beiträge fokussieren dabei auf die Geschichte außereuropäischer Weltregionen (Areas), beziehen europäische Erfahrungen und globale Perspektiven aber ein. Ziel der Tagung ist es, nach einem besseren Verständnis der weltweiten Vielfalt, sogar Gegensätzlichkeit, aber auch nach Verflechtungen und Transfers von Zukunftsentwürfen zu suchen.

Ausgehend von diesem speziellen Forschungsthema nimmt die Tagung auch grundsätzlichere Fragen einer Geschichte der "außereuropäischen" Weltregionen (Areas) im sich wandelnden Kontext der Geschichtswissenschaft in Deutschland auf: Welche Herausforderungen bringt eine zeitgemäße Erforschung außereuropäischer Geschichte(n) sowohl für die europazentrierte Historiographie als auch für die sogenannte "Globalgeschichte" mit sich – und wie kann sie selbst sich diesen Herausforderungen stellen? Speziell hierzu findet im Rahmen der Tagung ein Rund-Tisch-Gespräch mit namhaften Vertreter_innen aller angesprochenen Forschungsrichtungen statt.
Die Tagung wird veranstaltet vom Arbeitskreis Außereuropäische Geschichte des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands in Zusammenarbeit mit der Bayreuth Academy of Advanced African Studies (Profs.Drs. Susanne Lachenicht und Achim von Oppen, Teilprojekt 1 „Geschichte(n) der Zukunft“).

Die Teilnahme einer begrenzten Zahl von Gästen nach vorheriger Anfrage bis 1.10.2015 ist möglich.

Weitere Informationen: Vorläufiges Programm
Anfragen: Maximilian Krogoll


    Call for Papers - 09.10.2015 - 11.10.2015 - Tagung „Geschichte(n) der Zukunft: außereuropäische Herausforderungen“

    Veranstalter

    Arbeitskreis Außereuropäische Geschichte (AAG) des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) in Zusammenarbeit mit der Bayreuth Academy of Advanced African Studies (Universität Bayreuth)

     

    Datum

    9. Okt. 2015 (nachmittags) bis 11. Okt. (vormittags)

     

    Ort

    Bayreuth Academy of Advanced African Studies, Hugo-Rüdel-Str. 10, 95445 Bayreuth

     

    Ziele

    Anhand eines empirischen Forschungsthemas soll die Tagung grundsätzlichere Fragen des Auftrags einer Geschichte der "außereuropäischen" Weltregionen (Areas) im sich wandelnden Kontext der Geschichtswissenschaft in Deutschland aufnehmen. Welche Herausforderungen bringt eine zeitgemäße Erforschung außereuropäischer Geschichte(n) sowohl für die europazentrierte Historiographie als auch für die sogenannte "Globalgeschichte" mit sich – und wie kann sie selbst sich diesen Herausforderungen stellen? Hierzu sollen in exemplarischer Weise empirische, methodologische, konzeptionelle und paradigmatische Zugänge zum ausgewählten Forschungsthema behandelt werden.

    Zentraler Bestandteil der Tagung wird neben area-übergreifenden Panels sowie einigen area-bezogenen Keynotes zum inhaltlichen Thema auch ein Runder Tisch sein, an dem Außereuropa-, Europa- und Globalhistoriker_innen gemeinsam über die oben genannten Herausforderungen im Kontext der Entwicklung der Geschichtswissenschaften diskutieren werden.

     

    Thema

    Spätestens seit Reinhart Koselleck wissen wir, dass nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft eine Vergangenheit hat, und dass es höchst lehrreich ist, Geschichte nicht nur als Vorgeschichte von Gegenwart, sondern jede Zeit als prinzipiell offen zu verstehen, aus der heraus das Kommende, noch Ungewisse immer wieder neu entworfen und erhandelt wird. Die „Historische Zukunftsforschung“ (Lucian Hölscher) hat herausgearbeitet, welch immense Dynamik die Idee einer sich mehr oder weniger gradlinig aus Vergangenheit entfaltenden „Zukunft“ in der Geschichte der europäischen Moderne entwickelte, und welch hohen Stellenwert die sich wandelnden Vorstellungen guter oder auch katastrophaler „Zukünfte“ für die Legitimation gesellschaftlichen Handelns in dieser Epoche haben. Diese Diskussion hat sich allerdings, so scheint es, bisher weitgehend auf Europa und dessen Ausstrahlung beschränkt. Eine Diskussion über „vergangene Zukünfte“ außerhalb Europas, bzw. grundsätzlicher: über den Zusammenhang zwischen zeitlichen und räumlichen Dimensionen von Zukunftsentwürfen weltweit, ist zwar verschiedentlich gefordert worden (z.B. von Frederick Cooper), scheint aber bisher nicht über einzelne empirische Untersuchungen hinausgekommen zu sein. Dabei scheinen die einen von Hypothesen einer Dichotomie zwischen „westlichen“ (linearen?) und „nichtwestlichen“ (zyklischen?) Vorstellungen von Zeit und Zukunft auszugehen, während andere sich auf die Hegemonialisierung westlicher Vorstellungen konzentrieren.

    Hieraus ergeben sich wesentliche inhaltliche Leitfragen der geplanten Tagung:

     

    • Welche Wahrnehmungen von „Zukunft“ wurden von außereuropäischen, aber auch europäischen Gesellschaften bzw. Akteuren und ihren Diasporas in unterschiedlichen Kontexten der Moderne entwickelt, und wie haben sie sich gewandelt?

    • Wie – über welche Diskurse, Praktiken und Medien – wurden Vorstellungen von Zukunft entwickelt und kommuniziert? Wie und wo können sie aufgespürt werden?

    • Wie hingen sie mit Vorstellungen von Vergangenheit und Geschichte zusammen?

    • Welche etablierten Muster von Zukunftsdeutung (z.B. religiöse) und welche spezifischen (z.B. kolonialen/postkolonialen) Erfahrungen spiegelten sich in solchen Vorstellungen?

    • Wie verhielten sich außereuropäische zu europäischen Zukunftsvorstellungen, die seit der Aufklärung unter Begriffen wie ,Zivilisation', ,Fortschritt', ,Entwicklung' und ‚Planung‘ zunehmend globalisiert wurden? Kann dieses Verhältnis eher als Differenz oder als Konvergenz, als Opposition oder als Aneignung, als Transfer oder als Wandel verstanden werden? Inwieweit ist ein

    • In welchen historischen Situationen – auf globaler oder auch auf lokaler Ebene - öffneten sich Möglichkeitsfenster für neue Aufbrüche und Bewegungen mit neuen Ideen von Zukunft?

    • Welche Aus- und Nachwirkungen hatten bzw. haben solche Zukunftsideen – und deren Scheitern?

    Die Kernfrage der Tagung, im Sinne der oben skizzierten Herausforderungen für die Geschichte der außereuropäischen Weltregionen (Areas) und Europas wie für die Globalgeschichte, richtet sich also auf ein besseres Verständnis der weltweiten Vielfalt, sogar Gegensätzlichkeit, von Zukunftsentwürfen: Wie kann diese Vielfalt konzeptionell gefaßt werden: unter Bezug auf die Unterschiedlichkeit (aber auch Interaktionen) von Kulturen bzw. Gesellschaften, von spezifischen Akteuren, oder von historischen Situationen? Und welche Bedeutung haben räumliche (Area-bezogene) Koordinaten und Erkenntnisse auf all diesen Ebenen?

     

    Beitragende

    Beiträge werden sowohl von etablierten Kolleg_innen als auch von Vertreter_innen des akademischen Nachwuchses in Deutschland und darüber hinaus erhofft.

     

    Tagungssprachen

    Deutsch und Englisch

     

    Koordination

    Vorstand des AAG, sowie Achim von Oppen und Susanne Lachenicht (Bayreuth).

    Vorschläge für Beiträge (mit Abstract, max. 500 Worte) bitte bis 15. Mai 2015 an

    achim.vonoppen@uni-bayreuth.de> und susanne.lachenicht@uni-bayreuth.de


    05.12.2013 - Preise des VHD

    Der AAG weist ausdrücklich darauf hin, dass die vom Historikerverband ausgeschriebenen Preise für Dissertationen und Habilitationen nicht regional gebunden sind.

    Wir würden uns freuen, wenn auch Arbeiten zur aussereuropäischen Geschichte dort eingereicht würden. Weitere Informationen sind auf der homepage des VHD zu finden.

     

     


    18.11.2013 - Tagungsankündigung/Conference Announcement

    "After Slavery -- Comparing the Caribbean and Africa"

    21-24 November 2013

    Neues Rathaus, "Der Gartensaal", Trammplatz 2, 30159 Hannover
    Organized in co-operation with the Department of History and Interdisciplinary Program Transformation Studies, Leibniz University Hannover, Germany

    - Seminarprogramm -

     

     


    11.09.2013 - Einreichungen Historikertag

    Bis zum 31.10.2013 können Sektionen für den Historikertag 2014 in Göttingen eingereicht werdens:

    Sowohl Sektionen zur außereuropäischen Geschichte als auch insbesondere Sektionen unter Beteiligung zur außereuropäischen Geschichte können vorgeschlagen werden. Das Thema lautet "Gewinner-Verlierer".

    - Einreichungen -