Mitteilungen aus dem Verband

53. Deutscher Historikertag: Call for Sessions und Preisausschreibungen

Vom 8. bis 11. September 2020 findet der 53. Deutsche Historikertag an der LMU München unter dem...

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Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

CfA: Postdoctoral und Senior Fellowships 2020/21, International Centre for Advanced Studies "Metarmorphoses of the Political"

Das vom BMBF geförderte International Centre for Advanced Studies „Metamorphoses of the Political“...

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Veranstaltungen

Marie Jahoda Center for International Gender Studies
25.06.2019–26.06.2019, Bochum, Ruhr-Universität Bochum
Deadline: 13.06.2019

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Tagung Landesgeschichte und Public History

Georg-August-Universität Göttingen, Tagungszentrum an der Sternwarte,
Geismar Landstraße 11b, 37083 Göttingen

Die Landesgeschichte war schon früh in der Wissenschaftskommunikation tätig, denn ihre Ergebnisse fanden und finden Niederschlag nicht nur in Fachjournalen, sondern eben auch in Tageszeitungen, in Interviews, Miszellen, Museumskatalogen und in Führungen, Exkursionen und Vorträgen. Aufgrund der regionalen und lokalen Verankerung ihrer Themen ist die universitäre Landesgeschichte in besonderem Maße in den öffentlichen Diskurs über Geschichte eingebunden und wird gefordert, sich fördernd einzubringen, zu kontextualisieren und gelegentlich auch zu korrigieren. Diese Einbindung der Landesgeschichte verweist auf die Felder von Public History und Angewandter Geschichte, die zum Teil in bewusster Abkehr von der institutionengebundenen Geschichtswissenschaft entstanden. Sie beziehen sich gleichermaßen auf ein Feld der öffentlichen Geschichtskultur, in welchem sich Akteure aus der professionellen Geschichtswissenschaft ebenso bewegen wie Personen, die historisches Interesse ohne wissenschaftliche Fachausbildung verfolgen, bis hin zu Zeitzeugen. Dieser Raum wird von einem ständigen Diskurs heterogener Gruppen über historische Themen geprägt, die oft nur eingeschränkt wissenschaftlich reflektiert aufgearbeitet werden. Aus ihnen werden beständig auch Themen und Fragen an die Geschichtswissenschaft heran und in sie hineingetragen.

Die Tagung geht von der Feststellung aus, dass die universitäre Landesgeschichte im Vergleich zu anderen Professuren in erheblichem Maß die Schnittstelle bildet zwischen universitärer Geschichtswissenschaft und außeruniversitären Akteuren. Sie soll die Aktivitäten und das Aufgabenspektrum der deutschen Landesgeschichte in Bezug auf die Public History erstmals systematisch und strukturiert diskutieren. Die Bestandsaufnahme aktuellen Wirkens soll zu einer differenzierteren Wahrnehmung einerseits und einer handlungsleitenden Perspektive andererseits führen. Es sollen Zukunftsperspektiven erkannt und Ansätze für künftige Aktivitäten entwickelt werden.

Landesgeschichte wie Regionalgeschichte arbeiten raumgebunden, wobei die bearbeiteten Räume sich häufig auf wissenschaftsorganisatorische Gründe zurückführen lassen, vor allem durch einen den jeweiligen landesgeschichtlichen Abteilungen an den Universitäten und den Forschungseinrichtungen politisch zugewiesenen Zuschnitt. In der Regel ist dies ein Bundesland (Niedersachsen) oder eine historische Region (Westfalen). Zu den ersten Aufgaben der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten landeshistorischen Forschungsinstitute zählte oft die Identitätskonstruktion für neue Bundesländer. In Folge maßen Landeshistoriker der Vermittlung von Forschungsparadigmen große Bedeutung zu. Heute ist die landeshistorische Forschungspraxis längst geprägt von einem produktiv-kritischen Umgang mit der Pluralität von Räumen. Zugleich wurde die Schaffung einer vermeintlichen Identität von der Dekonstruktion entsprechender Wahrnehmungs- und Erklärungsmuster abgelöst und es trat die Analyse der Konstruktionsdiskurse in den Vordergrund. Das Methodenset der Landesgeschichte erlaubt sowohl die Makro- wie die Mikrostudie und die epochenübergreifende Analyse von Strukturen und ihrem Wandel auf lange Dauer. Ferner definiert sich Landesgeschichte zunehmend in den untersuchten Räumen, Strukturen und Entwicklungen als europäisch-vergleichend. Dennoch blieben die dezidierte Raumgebundenheit bis hinab auf die lokale Ebene sowie die diachrone Perspektive einschließlich der umfassenden Kenntnis der zur Verfügung stehenden Quellen erhalten, was auch dazu führte, dass die Landesgeschichte weiterhin als Methodenlabor zu begreifen ist. Auch deswegen bleibt die Nachfrge außeruniversitärer Institutionen, Verbände und Vereine nach wissenschaftlicher Fachauskunft ungebrochen erhalten.

PROGRAMM (als PDF hier abrufbar)


Mittwoch, 25.9.2019 (Tag 1)

12-14 Uhr

Registrierung

 

14 Uhr

Begrüßung

                                     Prof. Dr. Arnd Reitemeier,
                                     Göttingen

 

14 - 18 Uhr

Sektion I. Einführung und Standortbestimmung

Moderation: Prof. Dr. Werner Freitag, Münster

 

 

Eröffnungsvortrag
„Verortete Geschichte“ – Landesgeschichte und Public History

Anschließend Diskussion

Prof. Dr. Bernd Stefan Grewe, Institut für Geschichtsdidaktik und Public History, Tübingen

"Public History" zwischen Heimat- und Volksgeschichte: Programmatiken in der deutschen Historiographie in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts

Prof. Dr. Stephan Laux, Trier

Outreach-Aufgaben und Wissenschaftskommunikation an den Universitäten – eine Standortbestimmung

Prof. Dr. Oliver Auge, Kiel

Erwartungen der Politik/ Regierungen in den Ländern an die Landesgeschichte

AL‘in Dr. Babett Gläser, SMWK Dresden

Drittmittelnotwendigkeiten und die Arbeit der universitären Landesgeschichte: DFG: Fördergegebenheiten und Förderperspektiven

Dr. Guido Lammers, DFG, Bonn

Regionale Förderinstitutionen und die Drittmittelorientiertheit der Universitäten

Prof. Dr. Arnd Reitemeier, Göttingen

 

 

 

Donnerstag, 26.9.2019 (Tag 2)

9 - 13 Uhr

Sektion II.-1 Akteure und Vermittler
Moderation: Prof. Dr. Sigrid Hirbodian, Tübingen

 

 

Archive: landeshistorische Speicher ohne landeshistorische Kapazitäten?

Dr. Sabine Graf, NLA Hannover

Museen: Universitäre Landesgeschichte als Ersatz für abgebautes Forschungspersonal an staatlichen und kommunalen Museen?

Prof. Dr. Eckart Köhne, Badisches Landesmuseum, Deutscher Museumsbund

Geschichtsvereine: Ihre Bedeutung für die Landesgeschichte

Prof. Dr. Andrea Stieldorf, Bonn

Zeitzeugen und Heimatpfleger: Partner und/oder Gegenüber der univ. Landesgeschichte

Dr. Sabine Klapp, Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern

Landesgeschichte und populäre Genealogie: Schnittstellen und Kooperationsmöglichkeiten

Prof. Dr. Michael Hecht, Münster

 

14:30 - 18 Uhr

 

Sektion II.-2: Mediale Vermittlung

Moderation: Prof. Dr. Christine Reinle, Gießen

 

Wieder modern? Regionale Geschichtsbilder
und Regionalportale

Dr. Ute Engelen, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

Landesgeschichte im Film: Zwischen Quelle, Bildungsmedium und Edutainment

Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen

Regionale Programme im deutschen Fernsehen: Vermittler von Landesgeschichte

Beate Schlanstein, WDR, Köln

An der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit: Chancen, Probleme und Herausforderungen analoger wie digitaler Medien der Landesgeschichte

Dr. Martin Göllnitz, Marburg

 

19 Uhr

Öffentlicher Abendvortrag in der Paulinerkirche

Gedenkstätten als Argument

 

Dr. Jens-Christian Wagner, Celle

 

Freitag, 27.9.2019 (Tag 3)

9 - 12 Uhr

Sektion III. Entwicklungen und Perspektiven
Moderation: Prof. Dr. Enno Bünz, Leipzig

 

Auftragsforschung in der Landesgeschichte? Unternehmensgeschichten und Stadtgeschichten schreiben

Prof. Dr. Michael Kißener, Mainz

 

Landesgeschichte in der Universität –
Hinterwäldler oder Experimentierfeld?

Prof. Dr. Stefan Haas, Göttingen 

 

Geschichtsunterricht: Die Region als Maßstabsgröße historischen Lernens?

Prof. Dr. Anke John, Jena

 

Employability und Landesgeschichte, oder: Wie viel Praxis brauchen Studiengänge?

Dr. Lena Krull, Münster

 

 

 

12 - 13 Uhr

Zusammenfassung und Abschlussdiskussion

Prof. Dr. Sabine Ullmann, Eichstätt

 

Anmeldung zur Teilnahme bis 26.08.2019 bitte unter

Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen

Sekretariat, Heinrich-Düker-Weg 14, 37073 Göttingen

e-mail

 

Tagungsgebühren werden nicht erhoben.