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Erhaltung der Mainzer Steinhalle - Offener Brief des VHD an Ministerpräsidentin Malu Dreyer

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Nachruf auf Lothar Burggraf und Graf zu Dohna

Prof. Dr. Lothar Burggraf und Graf zu Dohna (4. Mai 1924–9. März 2021) Das Institut für Geschichte...

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09.04.2021 09:51

Nachruf auf Michael Stolleis

Michael Stolleis (20.7.1941-18.3.2021)

Ein Nachruf auf Michael Stolleis, den Juristen, den Historiker, den Wissenschaftsmanager, den engagierten Europäer, könnte Gefahr laufen, sich in Klischees zu ergehen. Zu Lebzeiten hätte Michael Stolleis diese Klischees – wahrscheinlich mit einem gewinnenden, verschmitzten Lächeln – alle nonchalant widerlegt. 

So könnte ein Nachruf beginnen mit der Auflistung seiner vielen Verdienste, der zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen, der Auszeichnungen und Preise, der Mitgliedschaften in Akademien, der Forschungsprojekte. Eine solche Aufzählung mag noch so umfangreich sein – sie müsste klischeehaft bleiben, solange sie sich auf eine bloße Sammlung beschränkte. Denn kaum meinte man, Michael Stolleis erkannt und verstanden zu haben, durfte man feststellen, dass dieser Mann noch viel mehr Qualitäten besaß. 

Man könnte auch sagen, die internationale Wissenschaft habe eine wichtige Stimme verloren – und würde damit einem Menschen doch kaum gerecht, der so viele Stimmen in sich barg. Er beeindruckte, ohne dies zu beabsichtigen, weil er mit großer Selbstverständlichkeit Rechtshistoriker, Jurist, Historiker, Intellektueller, politisch Engagierter und auch noch gelernter Winzergehilfe war – und ließ sein Gegenüber doch nie spüren, dass sie oder er diese Vielfalt nicht einmal annähernd erreichte. Er leitete ausdauernd das Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main, war über viele Jahre in zahlreiche Entscheidungsprozesse der deutschen Wissenschaftspolitik involviert – und war doch (oder gerade deswegen) frei von Allüren, immer am Anderen interessiert, und widmete sich ohne hierarchischen Dünkel und voller Aufmerksamkeit seiner Mitwelt.

Man könnte schließlich sagen, dass Michael Stolleis viel zu früh von uns gegangen ist – und würde damit zwar ein rhetorisches Klischee wiederholen, zugleich aber der tatsächlichen Verwunderung Ausdruck verleihen, die alle erfasst haben muss, die ihn in den letzten Jahren erleben durften und nun von seinem Tod erfuhren. Er sprühte vor Lebensfreude, Agilität und intellektueller Brillanz. Auch seine nicht nachlassende Publikationstätigkeit versicherte die wissenschaftliche wie nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit, in den kommenden Jahren noch viel von ihm erwarten zu dürfen.

Die internationale Geschichtswissenschaft betrauert den Tod von Michael Stolleis. Mit ihm haben wir einen Kollegen verloren, der sich zwischen den Disziplinen mühelos zu bewegen verstand und dessen Breite und gleichzeitige Tiefe des historischen Blicks nur von ganz wenigen erreicht wird. 

Achim Landwehr – Jörg Baberowski – Stefan Brakensiek – Christof Dipper – Robert von Friedeburg – Dirk van Laak – Birgit Näther – Lutz Raphael – Lothar Schilling – Ute Schneider – Winfried Schulze – Barbara Stollberg-Rilinger – Stephan Wendehorst – Heide Wunder