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54. Deutscher Historikertag steht unter dem Motto „Fragile Fakten“                        Aufruf zur Einreichung von Sektionsvorschlägen

English Version 

Leipzig ist der Austragungsort des nächsten Historikertages, der vom 19. bis 22. September 2023 stattfinden wird – geplant ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Präsenzveranstaltung. Der Historikertag soll Spiegel und Podium aktueller historischer Forschungen in ihrer ganzen Vielfalt und internationalen Vernetzung sein. Im Zentrum der fachwissenschaftlichen Diskussionen wird das Motto „Fragile Fakten“ stehen. Ein Drittel der Sektionen soll diesem Leitthema gewidmet sein, aber die Mehrzahl der Sektionen ist in der Wahl der Themenvorschläge frei. Sektionsvorschläge können ab sofort eingereicht werden, die Einreichungsfrist endet am 30. September 2022.

Fragile Fakten

Begriffe wie „Fake News“, „Alternative Fakten“ oder „Faktencheck“ sind seit einigen Jahren in öffentlichen Debatten omnipräsent. Wie in einem Brennglas spiegeln sie, wie in Politik und Gesellschaft um die Ermittlung von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen gerungen wird. Was gilt überhaupt als wahr, was als falsch, und welche Strategien erweisen sich als erfolgreich, wenn bestimmten Argumenten Geltungshoheit verschafft werden soll? 

So aktuell diese Fragen in der Öffentlichkeit diskutiert werden, so elementar sind sie seit jeher für die Geschichtswissenschaft. Schließlich stellt sich für jede historische Analyse die Frage der Faktizität, genauso wie der Blick in die Geschichte die vielen Kontinuitätslinien fragiler Fakten und den Umgang mit ihnen offenlegt. Nicht zuletzt lädt ein Nachdenken über die Fragilität von Fakten zur Reflexion über die inhaltlichen, methodischen und theoretischen Grundlagen des Faches ein – in einer Zeit, in der konstruktivistische Terminologie für Relativierungen und Falschinformationen missbraucht wird. Faktenfindung als Kompetenz der Geschichtswissenschaft wird wichtiger: wissenschaftlich, in der Schule, im Umgang mit Medien.

Vor diesem Hintergrund regt der VHD Vorschläge für Sektionen an, die sich u. a. mit diesen Aspekten beschäftigen:

  • das alte und neue Problem des politischen Gebrauchs bzw. gezielten Missbrauchs und der kommunikativen Manipulation historischer Faktizität
  • die fachliche Reflexion über den Status und die Relevanz von Faktenbezug und Faktizität für Methodik und Theorie geschichtswissenschaftlicher Forschung
  • die Folgen der Digitalisierung für Status, Verfügbarkeit und Verknüpfung von historischen Fakten bzw. Daten und die Art der daraus resultierenden Wissenschaftskommunikation
  • die mediale Kommunikation historischer Fakten und ihrer wissenschaftlichen (Re)konstruktion
  • die Herausforderungen, die sich aus neuen Methoden und ihren Faktizitätsansprüchen ergeben.

Leipziger Historikertag als Forum aktueller Geschichtsforschung

Der Verband fordert seine Mitglieder auf, den Leipziger Historikertag zu einer Werkschau aktueller Geschichtsforschung in ihrer Vielfalt über die Epochen, Themen und Methoden hinweg zu machen. Jenseits des Leitthemas sind zwei Drittel der Sektionsvorschläge für frei wählbare Themen reserviert. Wir hoffen, dass der Leipziger Historikertag so auch ein Zeichen setzen kann für die Einheit und Vielfalt der Geschichtswissenschaft.

Ziel ist es, den Leipziger Historikertag 2023 darüber hinaus zum Spiegel der internationalen Verflechtungen der aktuellen geschichtswissenschaftlichen Forschung zu machen. Grenzüberschreitende Diskussionen und die Präsenz internationaler Kolleg:innen sind ausdrücklich erwünscht. Wie in der Vergangenheit unterstützen wir finanziell die Teilnahme auswärtiger Sektionsreferenti:nnen. Sollte sich die Präsenz vor Ort nicht realisieren lassen, wird es die Möglichkeit geben, Referierende online dazu zuschalten – eine Anmeldung ist hierfür zwingend erforderlich (siehe Formular).

Hinweise zu Antragstellung und Formaten

Vorschläge können bis zum 30. September 2022 eingereicht werden. Bitte beachten Sie dazu Folgendes:

  • Nutzen Sie das Formular HT2023_Formular Sektionsvorschlag und schicken es per E-Mail an leipzig@historikertag.de. Beachten Sie dazu bitte die Versandhinweise auf dem Formular.
  • Alle Sektionen sind mit einer Dauer von 2,5 Stunden (150 Minuten) zu planen. Dies ermöglicht die Einbindung von 5–6 Referent:innen/Podiumsgästen. Erfahrungsgemäß verhindern Sektionskommentare eine ausführliche Diskussion eher als sie zu befördern. Daher wird empfohlen, darauf zu verzichten.
  • Personen dürfen sich für die Beteiligung an einer Sektion bewerben. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Antragsteller:in, Referierende oder in einer anderen Funktion Mitwirkende sind.
  • Bei der Einreichung entfällt eine eindeutige Zuordnung zu einer Epoche. Bei der Auswahl der Sektionen wird jedoch auf Ausgewogenheit geachtet.
  • Sektionsanträge können nur von Mitgliedern des VHD eingereicht werden (das gilt bei gemeinsamer Einreichung für alle Antragsteller:innen). Sollten Sie kein Mitglied sein, besteht die Möglichkeit, mit Einreichung des Sektionsvorschlages einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wissenschaftler:innen aus dem Ausland können eine Sektion beantragen, sofern sie dabei mit mindestens einem Mitglied des VHD kooperieren.
  • Sektionen des Historikertags sollen zu kontroversen Diskussionen anregen. Es ist für die Antragstellung nicht ratsam, bereits durchgeführte Tagungen und Forschungsverbünde nur eines Standorts in einem Sektionsantrag zu reproduzieren.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Vielfalt bei der Auswahl Ihrer Referent:innen.

Bei Fragen stehen Ihnen die Geschäftsführerin des VHD und der Geschäftsführer des 54. Historikertages gerne zur Verfügung:

Dr. Leonie Treber: treber@historikerverband.de

PD Dr. Thomas Urban: leipzig@historikertag.de