Mitteilungen aus dem Verband

53. Deutscher Historikertag: Call for Sessions und Preisausschreibungen

Vom 8. bis 11. September 2020 findet der 53. Deutsche Historikertag an der LMU München unter dem...

RSS |  Weitere Mitteilungen »

Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Job: Wissenschaftliche Mitarbeiter (m/w/d), "Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas"

Heidelberger Akademie der WissenschaftenAkademie des Landes Baden-Württemberg- Körperschaft des...

RSS |  Weitere Neuigkeiten »

Veranstaltungen

Historical Fictions Reasearch Network
21.02.2020–22.02.2020, Universität Salzburg
Deadline: 01.09.2019

RSS |  Weitere Veranstaltungen (H-Soz-u-Kult) »

01.10.2012 14:48

Auszeichnung von NachwuchswissenschaftlerInnen auf dem 49. Dt. Historikertag durch VHD

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. vergibt alle zwei Jahre im Rahmen des Deutschen Historikertages Preise zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Am gestrigen Abend wurden folgende Preisträger ausge-zeichnet:

Preisträger

PD Dr. Ulrike Weckel erhält den Carl-Erdmann-Preis
Am 27. September 2012 wurde Ulrike Weckel für ihr Werk „Beschämende Bilder. Deutsche Reaktionen auf alliierte Dokumentarfilme über befreite Konzentrationslager“ mit dem nach Carl Erdmann benannten Preis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 6.000 € dotiert und wird für herausragende Habilitationen verliehen.

Der VHD würdigt damit ein zeithistorisches Werk, das über den Ansatz der histori-schen Rezeptionsforschung den Umgang der deutschen Gesellschaft mit der NS-Vergangenheit in den Nachkriegsjahren 1945/46 betrachtet. Im Fokus von Weckels Untersuchung standen Reeducation-Filme der Alliierten aus befreiten Konzentrationslagern, die sie u.a. in ihrer Wirkung auf die deutschen Zuschauerinnen und Zuschauer untersucht hat. Weckels Arbeit wird die Diskussion um Erinnerungskultur und Vergangenheitsbewältigung in Deutschland sowie international nachträglich beeinflussen.

Die Preisträgerin wurde 1996 an der Universität Hamburg mit summa cum laude promoviert. Nach einigen Jahren der Tätigkeit am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin hat sie u.a. in Wien, Florenz und Washington geforscht. Ihre 2008 an der Technischen Universität Berlin abgeschlossene Habilitation ist soeben beim Franz Steiner Verlag in der Reihe Transatlantische Historische Studien erschienen.

Der Habilitationspreis des VHD wird 2012 zum ersten Mal unter dem Namen Carl-Erdmann-Preis vergeben. Der Historikerverband benennt seinen höchstdotierten Nachwuchspreis nach einem Historiker, der für einen besonderen Lebens- und Berufsweg steht: Mit dem Namen Carl Erdmanns verbinden sich höchste fachliche Ansprüche, persönliche Integrität und menschlicher Anstand. Wie wenige andere Historiker seiner Zeit trat Erdmann während des Nationalsozialismus unnachgiebig und ohne Rücksicht auf seine weitere akademische Karriere für die Freiheit und Unabhängigkeit der Geschichtswissenschaft ein.

Carl Erdmann (1898-1945) gilt als einer der wichtigsten Mediävisten des 20. Jahrhunderts. Seine Habilitationsschrift „Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens“ stellt immer noch das grundlegende Standardwerk zu diesem Thema dar. Die nationalsozialis-tische Ideologie und Geschichtsauffassung lehnte Carl Erdmann couragiert und unverhohlen ab. Deshalb blieb ihm der wichtigste und aus wissenschaftlicher Sicht nahezu zwangsläufige Schritt in seiner Karriere verwehrt – die Ernennung zum Ordinarius und die Übernahme eines Lehrstuhls in Frankfurt am Main. Da eine Emigration ins Ausland für Erdmann keinen Ausweg darstellte, verlor er 1936 seinen Lehrauftrag, konnte jedoch seine Tätigkeit in den Monumenta Germaniae Historica fortsetzen. Seine in dieser Zeit vorgelegten Editionen und quellenkritischen Arbeiten verbanden wichtige geschichtswissenschaftliche Grundlagenforschung mit zukunftsweisenden Fragestellungen. 1943 wurde Carl Erdmann zur Wehrmacht einberufen. Er verstarb 1945 an Fleckfieber in Zagreb.

Dr. Julia Tischler und Dr. Jan Hennings erhalten den Hedwig-Hintze-Preis
Am 27. September 2012 wurde der Hedwig-Hintze-Preis zu gleichen Teilen an Julia Tischler und Jan Hennings vergeben. Der Hedwig-Hintze-Preis ist mit 5.000€ dotiert und wird für eine herausragende Dissertation verliehen.

Der VHD würdigt damit zum einen die globalhistorische Arbeit Julia Tischlers mit dem Titel „Light and Power for a Multiracial Nation. The Kariba Dam Scheme in the Central African Federation". Das Werk befasst sich mit Diskursen und Politiken von Moderni-sierung und Nationsbildung im britischen Empire am Fallbeispiel des Kariba-Staudamm-Projekts in der Central African Federation (1953-63), der am Zambesi-Fluß zwischen den heutigen Staaten Sambia und Simbabwe liegt.

Zum anderen zeichnet der VHD Jan Hennings für sein frühneuzeitliches Werk „Russian Diplomatic Ceremonial and European Court Cultures 1648-1725“ aus. Hierin untersucht er die Bedeutung des Rituals in der russischen Diplomatie und setzt es in Beziehung zu den großen europäischen Höfen vor und während der Regierungszeit Peters des Großen. Er wirft damit einen neuen Blick auf die Vorstellungen des symbolischen Kapitals in Russland, das nicht nur in alten Traditionen verankert war, sondern gleichsam einem ständigen Modernisierungsprozess unterlag, der sich nur unwesentlich von dem Europas unterschied.

Julia Tischler studierte von 2000 bis 2006 Geschichte und Anglistik an der Universität zu Köln und der University of Stirling. 2011 wurde sie am Historischen Seminar der Universität zu Köln promoviert. Nach kurzer Tätigkeit an der Bielefeld Graduate School for History and Sociology arbeitet sie nun am Internationales Geisteswissenschaftlichen Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“.

Jan Hennings studierte von 2001 bis 2006 an den Universitäten Frankfurt (Oder), Rostock und Cambridge sowie an der Ecole des Hautes Etudes en Science Sociale (Paris) Kulturwissenschaften, Germanistik, Europäische Geschichte und europäische Geschichte der Neuzeit. 2011 wurde er an der University of Cambridge promoviert. Seit Juni 2009 ist er als Junior Research Fellow in Modern History am St. John’s College in Oxford tätig. 


Prämierungen im Rahmen des Doktorandenforums
Am 27. September hat der VHD in Zusammenarbeit mit der Gerda-Henkel-Stiftung drei herausragende Promotionsprojekte im Rahmen des auf dem Historikertag ausgestellten Doktorandenforums prämiert.

Der erste Preis des Doktorandenforums wurde vergeben an Anne Günther (Aachen) für ihr Poster zu „Contergan – Ein Skandal und seine Begriffsgeschichte als Gesell-schaftsgeschichte der „langen sechziger Jahre“.

Der zweite Preis des Doktorandenforums wurde vergeben an Katja Wüllner (Cottbus) für ihr Poster zu „Im Dienst des kulturellen Erbes – Denkmalpflege in Erfurt, Weimar und Eisenach (1945-1989)“.

Der dritte Preis des Doktorandenforums wurde vergeben an Dagmar Bellmann (Darmstadt) für ihr Poster zu „Die Passagierschifffahrt auf dem Atlantik (1840-1930). Imagination, Raum und Praxis. Eine Kultur- und Technikgeschichte der internationalen Dampfschifffahrt“.

Alle preisgekrönten Poster werden in Kürze auf dieser Homepage und auf dem Internetportal L.I.S.A bereit gestellt.


Verleihung der Schülerpreise des VHD an Constanze Wollenweber und Marcel Giffey
Am 27. September wurden Constanze Wollenweber und Marcel Giffey für ihre heraus-ragenden Forschungsleistungen im Fach Geschichte mit dem Schülerpreis des VHD ausgezeichnet. Dieser wird alle zwei Jahre in Kooperation mit der Körber-Stiftung verliehen.

Constanze Wollenwebers Arbeit „Haben Sie abgetrieben? Das große Weinheimer Frauenverhör“ beschäftigt sich mit den Massenvernehmungen Weinheimer Frauen im Jahr 1951, die im Verdacht standen, eine illegale Abtreibung vorgenommen zu haben. Constanze Wollenweber zeichnete nicht nur die für die betroffenen Frauen peinlichen und erniedrigenden Verhöre mit geschichtswissenschaftlichen Methoden nach, sondern versetzte den Leser auch in die Gefühlswelt der Frauen mittels einer eindringlichen Kurzgeschichte. Für diese Arbeit wurde Constanze Wollenweber ebenfalls im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten ausgezeichnet.

Für Marcel Giffey stand „Das frühneuzeitliche Hochstift Hildesheim im Spannungsfeld von Katholizismus und Protestantismus. Über die Konfessionsstreitigkeiten im Amt Steinbrück in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts“ im Mittelpunkt seines Interesses. Er betrachtete den Amtsmann von Steinbrück, der durch die Errichtung einer katholischen Pfarrgemeinde versuchte, den Katholizismus zu stärken und gleichzeitig den Protestantismus in Hildesheim zu unterdrücken. Auch Marcel Giffey wurde für diese Arbeit im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten geehrt.