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18.01.2018 11:09

CfP Workshop Außereuropäische Geschichte

Arbeitskreis Außereuropäische Geschichte (AAG) des VHD in Kooperation mit der
Erfurter RaumZeit-Forschung (ERZ) und dem Forschungszentrum Gotha (FZG)

Call for Paper für den Workshop
“Geschichte(n) über Räume und Zeiten. Translokale Perspektiven auf globale RaumZeiten“
(Gotha, 26./27. April 2018)

Skizze & Fragestellung
Seit geraumer Zeit diskutieren viele Historikerinnen und Historiker über geeignete räumliche Bezüge
sowie, seit Kurzem, auch wieder vermehrt über zeitliche Referenzen historischen Arbeitens. Sowohl
für Vertreterinnen und Vertreter der weltregional als auch der globalgeschichtlich ausgerichteten
Historiographie, also der Area und der Global History, gehen diese Fragen an das grundsätzliche
Verständnis eines Faches, das sich primär der Nationalgeschichte verpflichtet fühlte und das nun selbst
eine „Globalisierung“ erlebt. Diese Fragen richten sich ebenso an Europa-, National- und
Landeshistorikerinnen und -historiker, zumal sie die Struktur des Faches betreffen: Doch inwieweit
begründen lokale, regionale, nationale und globale Perspektiven auf Geschichte heute überhaupt noch
unterschiedliche Teildisziplinen? Wie beeinflussen Zeiten und Zeitvorstellungen dabei historisches
Arbeiten und Selbstverständnis? Und was meint in diesem Zusammenhang bzw. was ist überhaupt
Globalgeschichte?
Der geplante Workshop führt damit eine auf der letzten AAG-Tagung in Bayreuth („Geschichte(n) der
Zukunft: Außereuropäische Herausforderungen“, Oktober 2015) angestoßene und in einem
Diskussionsforum auf H-Soz-Kult 2017 fortgesetzte Debatte weiter. Hierfür fokussiert er translokale
und raum-zeitlich-dynamische Perspektiven.
Der Begriff der Translokalität geht auf Diskussionen am Zentrum Moderner Orient/ZMO aus den
2000er Jahren zurück und will einen Beitrag dazu leisten, wie wir Geschichtsschreibung in einer nicht
mehr primär national, sondern global verstandenen Welt betreiben. Forschungspraktisch gingen die
Initiatorinnen und Initiatoren von außereuropäischen Süd-Süd-Beziehungen aus und untersuchten
„die Interaktion und Verbindung zwischen Orten, Institutionen, Akteuren und Konzepten über reale
und gedachte Grenzen hinweg“. Translokalität geht also – kurz gefasst – von einem immer wieder neu
zu (re-)produzierenden Raum des Lokalen aus, in dem das Alltägliche ge- und erlebt wird und der
gleichzeitig ständig transzendiert/überschritten wird. Er bietet damit einerseits die Möglichkeit, aus
konkret-lokalen Perspektiven Beziehungen und Verschränkungen zwischen dem Lokalen und dem
jenseits des Lokalen, dem „Globalen“ in den Blick zu bekommen – mitsamt den damit verbundenen
Machtbeziehungen. Für die Betrachtung der Raum-Macht-Verhältnisse ist die Annahme der engen
Verschränkung von Akteuren und ihren translokalen (Um-)Welten ebenso zentral wie die zugehörigen
Lokalisierungs-, Einrichtungs- und Aneignungspraktiken.
Gleichzeitig bietet der Ansatz der Translokalität unserer Ansicht nach ein hohes Reflexionspotential für
die Forschung zur raum-zeitlichen Konstitution menschlicher Gesellschaften und damit für die oben
aufgeworfenen Frage nach geeigneten räumlichen und zeitlichen Bezügen historischen Arbeitens – ein
Potential, auf das dieser Workshop abzielt. „Raum“ ist zwar seit einigen Jahren zu einer zentralen
Analysekategorie kulturwissenschaftlichen Arbeitens geworden. Gleichwohl scheinen in der
Geschichtswissenschaft zumindest auf einer konzeptionellen Ebene Raumkonzepte im Vordergrund zu
stehen, die mit de Certeau lesbar sind und die stabile Grenzen aufweisen, seien es Stadt-, Landes- oder nationale Grenzen, seien es Grenzen zwischen Europa und „Außereuropa“ oder zwischen anderen definierbaren Weltregionen. Auch wenn diese Grenzen wie beispielsweise in der transnationalen oder transregionalen Geschichtsschreibung als überwindbar gelten, werden die durch sie definierten Räume (Nationalstaaten bzw. Regionen) zunächst vorausgesetzt. Auch die wieder erstarkte (historische) Debatte zum Komplex „Zeit“ setzt sich intensiv mit dem Verhältnis und den (Nicht-) Abgrenzbarkeiten verschiedener „Zeitschichten“ (Koselleck) auseinander. So führte Achim Landwehr, den wir für den Abendvortrag gewinnen konnten, den Begriff der „Chronoferenz“ ein, also „die Idee, dass eine Gegenwart die Möglichkeit hat, sich auf vielfältige Weise auf abwesende Zeiten zu beziehen.“
Mit der Verbindung translokaler und raum-zeitlich-dynamischer Perspektiven sollen die skizzierten
Debatten reflektiert und zusammengeführt werden. Translokalität geht (in unserer Lesart) von einem
raum-zeitlichen Konzept des Lokalen bzw. des Lokalisierens aus. Es versteht sich nicht per se als stabil, sondern mit Lefebvre als immer wieder (re-)produzierte RaumZeit, als die alltäglich ge- und erlebte raum-zeitliche Umwelt – also als eine RaumZeit, mit der die Akteure wie im de Certeau’schen Parcours in einem dynamischen (und machtvollen) Wechselverhältnis stehen. Indem Zeit als Teil einer RaumZeit gedacht wird, gerät einerseits das Dynamische (wie auch Stillstellungen/Institutionalisierungen) in den Blick, andererseits Verortungs- und Aneignungspraktiken bezüglich einer dezidiert raum-zeitlich verstandenen Umwelt mit ihren Raum- und Zeitschichten.

Die Erfurter RaumZeit-Gruppe (ERZ) sowie das Forschungszentrum Gotha haben sich für methodische
Diskussionen dieser Art in den letzten Jahren einen Namen gemacht und bieten sich in besonderer
Weise als Kooperationspartner und Gastgeber an.

Aufruf an Beitragende/Call for Paper:
Für die Tagung suchen wir ca. 20-minütige Beiträge, die anhand konkreter historischer Konstellationen
die oben skizzierten methodischen Fragestellungen und Spannungsverhältnisse in den Blick nehmen.
Beiträge aus der „außer-europäischen“ Geschichte sind besonders willkommen, ebenso wie Europaund
Globalhistoriker*innen, die sich mit den skizzierten Fragestellungen auseinandersetzen. Da das
Konzept der Translokalität zudem eine stark interdisziplinäre Entstehungsgeschichte
(Migrationssoziologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaften, Area Studies) aufweist, kann und soll
sich dies auch in den Diskussionen und im Teilnehmerfeld des geplanten Workshops widerspiegeln.
Für Beitragende können Reisekosten übernommen werden.
Bei Interesse senden Sie bitte bis zum 31. Januar 2018 eine ca. einseitige Projektskizze und einen ca.
einseitigen Lebenslauf an Sebastian Dorsch sebastian.dorsch@uni-erfurt.de . Bei Nachfragen melden
Sie sich gerne unter dieser Adresse.