Mitteilungen aus dem Verband

Rückblick auf die Diskussionsreihe "Racism in History and Context"

Welche historischen Kontexte und Erzählungen prägen die gegenwärtigen Debatten über die...

RSS |  Weitere Mitteilungen »

Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Nachruf auf Michael Stolleis

Michael Stolleis (20.7.1941-18.3.2021) Ein Nachruf auf Michael Stolleis, den Juristen, den...

RSS |  Weitere Neuigkeiten »

15.02.2021 15:22

Gemeinsame Stellungnahme der DGO, des Verbandes der deutschen Slavistik, der Südosteuropa-Gesellschaft und des VOH zur Abfederung der Negativfolgen der Corona-Pandemie

Die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, der Verband der deutschen Slavistik, die Südosteuropa-Gesellschaft und der Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker haben eine gemeinsame Stellungnahme zur Forschungsförderung angesichts der Covid 19-Pandemie abgeben:

Die Corona-Pandemie hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Forschung und stellt, wie die Stellungnahme zur Situation von Promovierenden und Post-Docs vom Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands am 22. Dezember 2020 in allgemeiner Form für die Geschichtswissenschaften feststellte, „den gesamten Wissenschaftsbetrieb vor massive Probleme“.

Wir, der Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker e. V. und die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, die Südosteuropa-Gesellschaft und der Verband der deutschen Slavistik sehen die in Deutschland angesiedelte historische Osteuropaforschung und andere sich mit dem östlichen Europa befassende Disziplinen im Bereich der Geschichtswissenschaft, Slavistik, Geistes-, Kultur- oder Sozialwissenschaften vor einer existentiellen Herausforderung in einer Zeit stehen, in der zahlreiche Krisen (z. B. in Belarus, im Kaukasus, das Veto Bulgariens zur EU-Erweiterung) und Versuche, die „illiberalen Demokratien“ in Ostmitteleuropa zu festigen, in einem besonderen Maße fachliche Expertise und Deutungswissen dringend erforderlich machen.

Die durch die Corona-Krise hervorgerufenen Reisebeschränkungen verhindern faktisch seit einem Jahr archiv- und bibliotheksbasierte Recherchen, Feldforschung und nicht zuletzt Möglichkeiten, vor Ort die notwendigen Sprachkenntnisse zu vertiefen und werden sie aller Voraussicht nach auch noch im gesamten laufenden Jahr verhindern. Konnte 2020 eine Archiv- bzw. Recherchereise stattfinden, so waren die Nutzer:innen von erheblichen Einschränkungen der Benutzungsmöglichkeiten betroffen, was voraussichtlich auch 2021 der Fall sein wird. Moderne Instrumente wie Digitalisate oder methodische Ansätze wie Online Interviews können nicht für alle Fragestellungen genutzt werden. Dies bedeutet de facto, dass für knapp zwei Jahre keine archiv- oder bibliotheksbasierte Forschung stattfinden kann. Notwendige fachliche Expertise kann nur sehr bedingt weiter ausgebaut werden.

In besonderem Maße sind hiervon durch Drittmittel geförderte Promovierende und Post-Docs betroffen, die innerhalb ihres bewilligten Projektes arbeiten müssen. Sie können ihre Aufgabenstellung und damit ihr Qualifikationsprojekt auf Grund dieser Problemlage nicht oder nur sehr unzureichend bearbeiten. Diese Herausforderungen für den „wissenschaftlichen Nachwuchs“ werden darüber hinaus über die teilweise deutlich eingeschränkten Möglichkeiten der Kinderbetreuung und Anforderungen im Rahmen des „Home schooling“ nochmals deutlich erhöht.

In der Sorge, dass große Teile des derzeitigen „wissenschaftlichen Nachwuchses“ Projekte nicht oder nur unzureichend werden beenden können und dadurch ein wichtiger Teil gegenwärtig dringend benötigter Osteuropa-Expertise wegfallen wird, fordern wir private und staatliche Förderer auf, unbürokratisch, rechtzeitig und großzügig Verlängerungen für Projektförderungen, die von den aktuellen Beschränkungen betroffen sind, zu ermöglichen.

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e. V. (VHD) unterstützt diesen wichtigen Appell. Die Stellungnahme des VHD "Zur Situation von Promovierenden und Post-Docs während der Corona-Pandemie" vom 22. Dezember 2020 finden Sie hier.