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Titel: 
Dr.

Nachname: 
Albiez-Wieck

Vorname: 
Sarah

Projekt-, Werk- bzw. Publikationstitel:

Contactos exteriores del Estado tarasco: Influencias desde dentro y fuera de Mesoamérica

Epoche: 
  • Fruehe Neuzeit

Sachgebiet: 
  • Aussereuropaeische Geschichte
  • Kolonialgeschichte
  • Technikgeschichte
  • Wirtschaftsgeschichte

Zusammenfassung der Promotion:

Die vorliegende Arbeit untersucht die Außenbeziehungen des westmexikanischen taraskischen Staates in der späten Postklassik. Durch die Untersuchung der Außenkontakte kann die Beschaffenheit des taraskischen Staates selbst genauer bestimmt werden, insbesondere die Frage, ob es sich hierbei um einen Teil der Kulturregion Mesoamerikas handelte und wie stark der Austausch mit anderen mesoamerikanischen Regionen war. Neben der Analyse der Kontakte zu Gruppen und Regionen innerhalb Mesoamerikas, etwa weiteren Regionen in Westmexiko, den Azteken und entfernteren Regionen Mesoamerikas, ist hierbei auch die Einbeziehung der Kontakte nach Aridamerika sowie Zentral- und Südamerika von Bedeutung. Insgesamt ist der Kenntnisstand über den taraskischen Staat, insbesondere im Vergleich zu den Azteken, noch fragmentarisch. Da die Daten- und Quellenlage auch in Bezug auf die Außenkontakte schwierig ist, wird in der vorliegenden Arbeit eine interdisziplinäre Herangehensweise gewählt. Es werden Daten und Methoden der Geschichte und Archäologie genutzt, die durch Erkenntnisse und Daten der Linguistik und, in geringerem Maße, der Geografie ergänzt werden. Im Zentrum steht dabei eine umfassende Literaturrecherche, die Auswertung von historischen Quellen sowie von Grabungsberichten. Die teils schwierige Vereinbarkeit der von den unterschiedlichen Quellen generierten Diskurse wird ausführlich diskutiert. Trotz einiger grundsätzlicher Kritikpunkte, insbesondere im Bereich der Operationalisierung, wird die Weltsystemtheorie in der Modifikation nach Smith und Berdan als die beste Herangehensweise bewertet. Nach einem ersten einführenden Teil werden im Hauptteil die Außenkontakte des taraskischen Staates getrennt nach Region untersucht, wobei auch die Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb des Staates ein Kapitel einnehmen. Anschließend werden die Implikationen der Analyse dargelegt und vor dem Fazit ein Ausblick auf die Zeit nach der spanischen Eroberung gegeben. Die Arbeit liefert einige neue Erkenntnisse und bestätigte bereits vereinzelt formulierte Hypothesen. So ließ sich die politische Einheit in Michoacán in der späten Postklassik als imperialer Hegemonialstaat mit einigen territorialen Tendenzen bestimmen, der auch als archaisches Prestigegütersystem im Sinne von Breuer bezeichnet werden könnte. Die starke soziokulturelle und sprachliche Fragmentierung des Staates tritt in der Quellenanalyse klar zutage, wobei kritisch hinterfragt wird, ob die unterschiedlichen Gruppen tatsächlich als ethnische Gruppen bezeichnet werden können und ob nicht anders definierte Zugehörigkeitsvorstellungen wesentlich wichtiger waren. In Bezug auf die Außenbeziehungen steht der taraskische Staat in Westmexiko in einer langen Austauschtradition mit Aridamerika und Zentralmexiko sowie innerhalb westmexikanischer Regionen. Besonders die Beziehungen zum aztekischen Staat (in politisch-militärischer Hinsicht) und in andere Teile Westmexikos (vor allem bezüglich der Ökonomie) waren für den taraskischen Staat von besonderer Bedeutung. Kontakte in andere Regionen Mesoamerikas waren wesentlich schwächer ausgeprägt. Die Kontakte nach Zentral- und Südamerika lassen sich trotz vieler Hinweise, insbesondere in der Präklassik, bislang nicht eindeutig belegen, die Datenlage lässt jedoch den Schluss zu, dass sie in der späten Postklassik an direkter Bedeutung verloren haben. Sie waren jedoch indirekt für den taraskischen Staat wichtig, als sie vermutlich bereits vor dessen Entstehung die Kenntnisse der Metallverarbeitung nach Westmexiko brachten. Die Beziehungen zu den verschiedenen Gruppen und Regionen waren interdependent. Die Analyse der Außenkontakte zeigt, dass sowohl die taraskische Elite als auch andere Gruppen im taraskischen Staat eindeutig als mesoamerikanisch zu bezeichnen sind. Der taraskische Staat war kulturell, politisch und ökonomisch Teil der multizentrischen postklassischen mesoamerikanischen Welt. Abschließend lässt sich sagen, dass die vorliegende Arbeit die erste umfassende und detaillierte Untersuchung der Außenkontakte des taraskischen Staates darstellt. Durch die Sammlung, Bewertung und Einordnung einer sehr großen Anzahl von Daten aus verschiedenen, oft unveröffentlichten und schwer zugänglichen Quellentypen wurde nicht nur das Wissen über diesen Aspekt des taraskischen Staates stark erweitert, sondern auch der Kenntnisstand zu anderen Teilaspekten erhöht und neu bewertet.

Betreuer/in: 
Prof. Dr. Nikolai Grube, Dr. Hans Roskamp

Universität: 
Universität Bonn

Eintragsdatum: 
03.02.2012

Jahr (ggf. voraussichtliches) der Veröffentlichung: 
2011

Bemerkung: 
Dissertation wurde gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Veröffentlichung: 2013: Contactos exteriores del Estado Tarasco. Influencias desde dentro y fuera de Mesoamérica. Zamora: El Colegio de Michoacán. (Eine frühere Version des Manuskripts bzw. der Dissertation ist Online verfügbar unter urn:nbn:de:hbz:5-26262; http://hss.ulb.uni-bonn.de/2011/2626/2626.htm, 2011)


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