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Titel: 
Dr.

Nachname: 
Kahlert

Vorname: 
Torsten

Projekt-, Werk- bzw. Publikationstitel:

„Unternehmen großen Stils “ – Organisation, Objektivität und Historismus im 19. Jahrhundert

Epoche: 
  • Neuere und Neueste Geschichte

Sachgebiet: 
  • Wissenschaftsgeschichte

Zusammenfassung der Promotion:

Dass nicht die Natur-, sondern die Geisteswissenschaften die Großforschung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfunden haben, ist mittlerweile schon ein gängiges Argument. Dennoch sind Untersuchungen zur geisteswissenschaftlichen Großforschung des 19. Jahrhunderts, wie u.a. Hans-Harald Müller in Geschichte der Germanistik, Heft 37/38, 2010, S. 27-31 feststellte, kaum zu finden. Das Promotionsvorhaben geht in vergleichender Perspektive der Frage nach, wie, warum und mit welchen Folgen sich in verschiedenen Disziplinen im 19. Jahrhundert primär außerhalb der Universitäten ein wissenschaftsorganisatorischer Typ von projektförmig organisierten ›Unternehmungen großen Stils‹ herausbildete. Dafür wird ein Sample von drei Unternehmungen untersucht: 1) das »Corpus Inscriptionum Latinarum«, eine Sammlung aller lateinischen Inschriften unter der Leitung von Theodor Mommsen, 2) die sogenannte »Schulkinderuntersuchung«, bei der auf Initiative der Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte und unter der Leitung von Rudolf Virchow 6½ Millionen Schulkinder hinsichtlich der Farbe ihrer Haare, Augen und Haut vermessen wurden und 3) die von Gustav Schmoller initiierte Quellenedition zur preußischen Geschichte, die »Acta Borussica«. Gemeinsame Merkmale dieser Unternehmungen sind ihr Bezug zu historischen Fragestellungen, die kollaborative, aber zugleich auf eine Führungsfigur ausgerichtete Sammlung und Verarbeitung großer Datenmengen (Massendaten) sowie die Zweckgebundenheit der finanziell aufwändigen Projekte als Grundlagenforschung. Fragen danach, wie die Akteure ihre Projekte wissenschaftspolitisch legitimierten und welche Fragen die praktischen Umsetzungen aufwarfen, werden dabei in Beziehung zu den Problemen des Umgangs mit Massendaten und dem zeitgenössischen Anspruch nach Vollständigkeit betrachtet. Damit sollen gegenseitige Beeinflussungen von wissenschaftsorganisatorischen und epistemologischen Entwicklungen aufgezeigt werden. Methodisch knüpft die Arbeit an neuere wissenssoziologische Ansätze zur Entstehung projektförmiger Forschung (Luhmann, Torka), institutionengeschichtliche Ansätze zur Entwicklung staatlicher Forschungsförderung (vom Bruch) und erkenntnistheoretische Ansätze zur Herausbildung wissenschaftlicher Ideale (Daston, Galison) an. Die Untersuchung umspannt einen Zeitrahmen von den 1830er Jahren bis circa 1910 und endet zunächst mit der Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Als Quellenmaterial werden neben Publikationen, die im Zusammenhang mit den Unternehmungen entstanden sind, unveröffentlichte Materialien (z.B. Planungsschriften, Kommissionsprotokolle und Korrespondenzen) der beteiligten Institutionen (Archive der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte) ebenso einbezogen wie Akten des Kultusministeriums, insbesondere der Referenten im Kultusministerium Johannes Schulze und Friedrich Althoff. Zudem werden die Nachlässe Theodor Mommsens, Rudolf Virchows und Gustav Schmollers hinsichtlich der Unternehmungen ausgewertet. (diese Zusammenfassung ist ebenfalls veröffentlicht in: Geschichte der Germanistik 41/42 (2012)

Betreuer/in: 
Prof. Rüdiger vom Bruch

Universität: 
Humboldt-Universität zu Berlin

Eintragsdatum: 
05.02.2013

Jahr (ggf. voraussichtliches) der Veröffentlichung: 
2017

Bemerkung: 
Die Dissertation ist abgeschlossen und veröffentlicht: http://www.bebraverlag.de/verzeichnis/titel/787-unternehmungen-grossen-stils.html


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