Mitteilungen aus dem Verband

Rückblick auf die Diskussionsreihe "Racism in History and Context"

Welche historischen Kontexte und Erzählungen prägen die gegenwärtigen Debatten über die...

RSS |  Weitere Mitteilungen »

Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Nachruf auf Michael Stolleis

Michael Stolleis (20.7.1941-18.3.2021) Ein Nachruf auf Michael Stolleis, den Juristen, den...

RSS |  Weitere Neuigkeiten »

Titel: 
Dr. phil.

Nachname: 
Hübner

Vorname: 
Emanuel

Projekt-, Werk- bzw. Publikationstitel:

Das Olympische Dorf von 1936. Planung, Bau und Nutzungsgeschichte

Epoche: 
  • Neuere und Neueste Geschichte

Sachgebiet: 
  • Architekturgeschichte
  • Militaergeschichte
  • Sportgeschichte

Zusammenfassung der Promotion:

Die Dissertation untersucht die Planung, den Bau und die Nutzung des für die Olympischen Spiele 1936 errichteten Olympischen Dorfes bis zur Gegenwart (Stand 2013) und besitzt daher sowohl eine sporthistorische als auch eine architektur- und militärgeschichtliche Ausrichtung. Seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen stiegen die Teilnehmerzahlen bis 1936 von wenigen Hundert auf mehrere Tausend. Es ergab sich dadurch immer mehr die Notwendigkeit, neben der Organisation der Wettkämpfe auch die Unterbringung der Aktiven und ihrer Betreuer durch das jeweilige Organisationskomitee (OK) zentral zu regeln. 1931 wählte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Berlin zum Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1936. Es bestand seitens der deutschen Organisatoren der Plan, die Reichswehr zu bitten, ein bestehendes, aber nur temporär belegtes Militärlager am Truppenübungsplatz Döberitz, westlich von Berlin für die Athletenunterbringung zur Verfügung zu stellen. Da die Reichswehr umgehend der Bitte des OK entsprach, schien die Unterbringungsfrage schnell erledigt. Im Zuge der Aufrüstungsaktivitäten ab 1933 ergab sich für das OK dann unerwartet die Möglichkeit, durch die Reichswehr/Wehrmacht in Döberitz ein Olympisches Dorf komplett neu errichten zu lassen, welches dann militärisch nachgenutzt werden könnte. Als hauptverantwortlicher Architekt für das Olympische Dorf wurde Werner March bestimmt, der auch das Reichssportfeld mit dem Olympiastadion entwarf. Zusammen mit zwei weiteren Architekten – seinem Bruder Walter March und Georg Steinmetz – sowie dem Gartengestalter Heinrich Friedrich Wiepking-Jürgensmann bildete er die „Arbeitsgemeinschaft Olympisches Dorf“. Unterstützt wurde diese Arbeitsgemeinschaft von Mitarbeitern der Reichswehr/Wehrmacht. Zudem entwarf der finnische Architekt Erik Bryggman drei für das Olympische Dorf vorgesehene Saunabäder. Die bauvorbereitenden Erdarbeiten begannen im Herbst 1934. Neben der Entwurfsplanung für die Gebäude wurde auch für die Landschaftsgestaltung und die gärtnerischen Anlagen ein großer Aufwand betrieben, u.a. in Form von Lebendbaumverpflanzungen. Die Errichtung der Gebäude durch private Baufirmen begann im April 1935. Auf einem Areal von 55 Hektar wurden 135 ein- und fünf zweigeschossige Unterkunftsgebäude für circa 3.500 Betten errichtet. Zentrales Gestaltungselement der Anlage war eine langgestreckte Rasenfläche, die sich quer über das gesamte Areal des Olympischen Dorfes zog, die sogenannte Dorfaue. Neben den Unterkünften wurden auch einige Wirtschaftsgebäude errichtet. Die größten waren ein viertelkreisförmiges Empfangsgebäude und ein mehrstöckiger, im Grundriss mandelförmiger Bau, der als sogenanntes Speisehaus der Nationen der Verpflegung der Olympiamannschaften dienen sollte. Die Anlage verfügte auch über einen Sportplatz sowie eine Schwimm- und eine Turnhalle. Der vorhandene Waldbestand wurde nicht beseitigt, sondern die Häuser in diesen hineingebaut. In die künstlerische Ausgestaltung der Anlage wurden – was für die Bauaktivitäten in der Zeit des Dritten Reiches singulär sein dürfte – über 100 deutsche Kommunalverwaltungen mit eingebunden, die u.a. lokale Künstler nach Döberitz entsenden sollten. Nach dem Ende der Berliner Spiele wurde das Olympische Dorf für die militärische Nachnutzung vorbereitet und diente dann bis 1945, in zwei Bereiche unterteilt, einerseits – unter Beibehaltung des Namens „Olympisches Dorf“ – als Standort für die Infanterieschule der Wehrmacht der Offiziersausbildung und andererseits unter der Bezeichnung „Olympia-Lazarett“ als Reservelazarett. Im April 1945 besetzte die Rote Armee den Militärstandort Döberitz und nutze ihn weiter militärisch. Schon ab den 1950er Jahren erfolgten tiefgreifende Veränderungen der überkommenen landschaftlichen und architektonischen Gestaltung. Erst 1991/1992 verließen die Armee-Einheiten den Standort.

Betreuer/in: 
Prof. Dr. Michael Krüger

Universität: 
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Eintragsdatum: 
01.10.2018

Jahr (ggf. voraussichtliches) der Veröffentlichung: 
2015

Bemerkung: 


zurück zur Suche