Mitteilungen aus dem Verband

Umfrage zum VHD Journal

Seit 2013 gibt der VHD eine Mitgliederzeitschrift – das VHD Journal – heraus. Bis heute sind 10...

RSS |  Weitere Mitteilungen »

Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Online-Umfrage „Forschungsdatenmanagement für die Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung“

Liebe Kolleg:innen der Ost-, Ostmittel- und Südosteuropaforschung, im DFG-geförderten Projekt...

RSS |  Weitere Neuigkeiten »

Titel: 
M.A.

Nachname: 
Voß

Vorname: 
Fabian

Projekt-, Werk- bzw. Publikationstitel:

Papstherrschaft im Raumentwurf: Die Architekturbücher Domenico Fontanas (1543–1607) und das Rom Sixtus’ V.

Epoche: 
  • Fruehe Neuzeit

Sachgebiet: 
  • Architekturgeschichte
  • Politische Geschichte

Zusammenfassung der Promotion:

Unter dem Titel "Papstherrschaft im Raumentwurf. Die Architekturbücher Domenico Fontanas (1543– 1607) und das Rom Sixtus’ V." widmet sich die Arbeit der Entstehung und der politischen Dimension von Fontanas gedrucktem Werk, das er als päpstlicher Architekt Sixtus’ V. (1585–1590) vorlegte. Das Vorhaben stellt i.d.S. einen Beitrag zur Kulturgeschichte des Politischen unter Berücksichtigung des italienischen und europäischen Mächtesystems dar und betrifft drei Teilbereiche: Eine publikationsgeschichtliche Untersuchung der Architekturbücher und den dort präsentierten Raumentwürfen existiert nicht. Die Rekonstruktion ihres Zustandekommens als Auswahl- und Entscheidungsprozess sowie die Ermittlung der beteiligten Spezialisten bildet den ersten Schritt der Quellenkonstitution. Möglich ist dies nur mithilfe von unerschlossenen, unpublizierten Quellenbeständen aus italienischen Archive und von Fresken als raumbezogene Bildprogramme vor Ort. Zum Zentrum seiner Architekturbücher macht Fontana eine implizite Theorie des disegno: Seinen architektonischen wie technischen, letztendlich aber politischen Lösungen lägen Entwurfsprozesse zugrunde. Vom Verfahren des Kunstbetriebes erhebt Fontana den disegno zum allgemeinen Lösungsverfahren, zur Technik der plangeleiteten Bewältigung jeglicher Problemlage und zum Mittel der Interessendurchsetzung. Fontanas disegno-Begriff sowie dessen Raum- und Herrschaftsentwürfe sollen in Beziehung zu weiteren Architekturbüchern gesetzt werden, um sein politisches Programm genauer zu bestimmen. Über die Einzelfallanalyse hinaus entsteht damit ein neuer Zugriff auf die Gattung des Architekturbuches als politische Quellensorte. Seine Fähigkeit als Entwerfender leitet Fontana aus seiner virtù in Abgrenzung zu Anderen her. Hinter der Kommunikation seines Selbstbildes standen damit handfeste Machtinteressen. Unter dem Schlagwort "Politik der Selbstzuschreibung" kommen daher weitere Selbstzeugnisse Fontanas in den Blick. Unumstritten waren Fontana und seine politischen Entwürfe nie. Vielmehr provozierten sie Gegenentwürfe, die als "Politik der Fremdzuschreibung" aufgefasst werden. Architektenwettbewerbe und Deutungskämpfe, in denen man um die passgenauen Lösungen zur Durchsetzung von politischen Zielen stritt, befeuerten, institutionalisiert dieser Agonalität zugleich. Dieses krisenhafte Verhältnis von Selbst- und Fremdzuschreibung wird unter dem Aspekt "Architektur in politischen Wettstreitkulturen" dann nicht nur weiter bestimmt, sondern im Hinblick auf die Durchsetzung spezifischer Konzepte im Dienste konkurrierender Herrschaftsentwürfe analysiert. Aus seinen politischen Zielen machte Fontana keinen Hehl: In den Drucken tritt er als Kommunikator und Kreatur Sixtus’ V. auf und setzt sich für dessen Souveränitätsstreben ein. Dabei engagierte sich Fontana in Institutionen, die in ihrem Streben nach Verstetigung und Einfluss wiederum in Konkurrenz standen. Das päpstliche Souveränitätsstreben stand also in einem Bedingungsverhältnis zur Herausbildung von Institution und von Architektentum, verweist damit insgesamt auf politische Staatsbildungsprozesse der Frühen Neuzeit. Institutionalisierung kommt dahingehend als Instrument zur Einrichtung, Verdichtung, Expansion von und Beteiligung an Herrschaft in den Blick. Daher soll Fontana als Akteur im politischen Betrieb des patrimonium petri analysiert werden, der an der politischen Weiterentwicklung von Papstherrschaft beteiligt war. Auf diese Weise lässt sich nicht nur seine politische Relevanz in Hinblick auf die Prozesse von Staatsbildung begründen, sondern auch die potenzielle Bedeutung von Architekten als Akteure und Triebfeder innerhalb des europäischen Mächtesystems im Ganzen.

Betreuer/in: 
Prof. Dr. Johannes Süßmann

Universität: 
Paderborn

Eintragsdatum: 
08.09.2020

Jahr (ggf. voraussichtliches) der Veröffentlichung: 
2024

Bemerkung: 


zurück zur Suche