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Historische Forschung und Aufarbeitung soll behindert werden – VHD verurteilt das Gerichtsurteil gegen den russischen Historiker Jurij Dmitrijew

30. Juli 2020, Frankfurt am Main

Das nicht-öffentliche und seit 2016 andauernde Verfahren gegen den russischen Historiker Jurij Dmitrijew und seine Verurteilung am 22. Juli 2020 zu dreieinhalb Jahren Haft ist zu Recht international kritisiert worden. Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. (VHD) verurteilt dieses unübersehbar politische Verfahren mit Nachdruck. Es ist offensichtlich, dass das quälende und stigmatisierende Vorgehen der russischen Justiz und die lange Untersuchungshaft gegen den Historiker einen Versuch darstellen, die historische Erforschung und Aufarbeitung der Massenerschießungen Stalins, das Gedenken an die Opfer und das Wissen um die Täter zu behindern. Die Forschungen Dmitrijews zu sowjetischen Staatsverbrechen, die Entdeckung von Massengräbern in den Wäldern Kareliens wurden offenbar zunehmend gefährlich. Das belastende Erbe der Stalinzeit wird vom russischen Staat seit einiger Zeit schrittweise umgedeutet. Das wurde auch einem Kollegen und Mitstreiter Dmitrijews zum Verhängnis, dem Historiker Sergej Koltyrin, der in diesem Jahr im April in Haft verstarb.

Der Versuch, die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit zu verhindern und diese im Sinne des eigenen Geschichtsbildes umzuschreiben, ist ein mächtiges und vielbedientes Instrument autoritärer Regimes. Sie schmieden damit nicht nur Argumente für die eigene aktuelle Politik, sondern machen allen Untergebenen unmissverständlich deutlich, dass diese gegenwärtig und zukünftig keine Stimme über die Aushandlung der eigenen Geschichte haben werden und nicht auf Gerechtigkeit hoffen können. Die Gerichtsverfahren zielen deshalb nicht zuletzt auf öffentliche Einschüchterung. Das zeigt einmal mehr, wie wenig selbstverständlich die kritische Erforschung der eigenen Vergangenheit und das offene Aushandeln ihrer Deutung – ein hohes und existentielles Gut für jede Gesellschaft – ist.

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Der VHD ist das Vertretungsorgan der deutschen Geschichtswissenschaft in der Öffentlichkeit. Kernaufgabe des VHD ist die Veranstaltung des Deutschen Historikertages – eine der größten geisteswissenschaftlichen Konferenzen Europas, zuletzt mit mehr als 4.000 Teilnehmern. Als Interessenvertretung setzt sich der Historikerverband in vielfältiger Weise für die Belange seiner Mitglieder ein und steht als Fachverband im ständigen Dialog mit Hochschulen, hochschulnahen Einrichtungen und der Gesellschaft. Der VHD hat zurzeit etwa 3.300 Mitglieder.

Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.
Markus Goldbeck (Geschäftsführer) / Frank Kell (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
c/o Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel: 069 - 798 32571 /-72
E-Mail: goldbeck@historikerverband.de / kell@historikerverband.de

V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Eva Schlotheuber (Vorsitzende) / Prof. Dr. Johannes Paulmann (Schriftführer)

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