VHD besorgt um Demokratie und Pluralismus – neue AG engagiert sich für Resilienz
Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) beobachtet besorgt die drohende Schwächung demokratischer Institutionen, die mit Angriffen auf die plurale Gesellschaft einhergehen. Der VHD sieht es als eine Aufgabe, diesen Entwicklungen entgegenzutreten. Um geeignete Wege zu diesem Ziel zu diskutieren, hat der Ausschuss des Verbands auf der vergangenen Sitzung am 16. Juni 2026 die Arbeitsgruppe „Resilienz“ gegründet.
Die Gefahr staatlicher Eingriffe in die Wissenschaft nimmt zu, zugleich bilden Bedrohungen von Wissenschaftler:innen sowie die Instrumentalisierung der Geschichte gleichermaßen eine ernstzunehmende Herausforderung für die Geschichtswissenschaft wie für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung insgesamt. Vor diesem Hintergrund darf die gesellschaftspolitische Relevanz und Verantwortung der Geschichtswissenschaft nicht nur postuliert, sondern muss auch praktisch wahrgenommen werden. Die Arbeit der AG setzt hier an und wird künftig unter anderem folgenden Fragen nachgehen:
- Welche institutionellen Strukturen machen Institute und Abteilungen anfällig für äußeren oder inneren Druck? Wie können Universitäten und Forschungseinrichtungen verlässliche Räume freier wissenschaftlicher Arbeit bleiben?
- Welche Rolle spielen Personalstrukturen und Finanzierungsformate und wo bestehen Handlungsspielräume?
- Was können wir selbst in unseren Institutionen und Praktiken ändern, um der Bedrohung unserer Demokratie, der Wissenschaftsfreiheit und nicht zuletzt unserer Kolleg:innen konsequent zu begegnen?
- Welche Foren und Kommunikationsformen können die Diskussionsräume innerhalb des Verbandes wieder öffnen und damit auch der Polarisierung der Gesellschaft entgegentreten?
- Historische Argumente und Narrative werden zunehmend in politischen Debatten mobilisiert – gerade auch in einer Weise, die demokratische, pluralistische und liberale Grundprinzipien infrage stellt. Dies betrifft die Geschichtswissenschaft in ihrem Kern. Wie kann eine konsequente Dekonstruktion historisch falscher Erzählungen über die wissenschaftliche Community hinaus wirksam werden? Wie lässt sich der Transfer in die Öffentlichkeit und die Gesellschaft stärken? Können wir diesen Instrumentalisierungen der Vergangenheit eigene Deutungsangebote und Gegenerzählungen entgegenstellen?
Der AG setzt sich aus Mitgliedern von Vorstand und Ausschuss des VHD zusammen. Die konstituierende Sitzung der AG wird nach der Sommerpause stattfinden. Über die Arbeit der AG informiert künftig die Seite www.historikerverband.de/resilienz.
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