NFDI – vier Buchstaben für die digitale Zukunft der Wissenschaft

Die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) ist das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) beschlossene, von Bund und Ländern finanzierte und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) organisierte Großprojekt für Digitalisierung und Forschungsdatenmanagement in der Wissenschaft mit einem jährlichen Fördervolumen von 90 Millionen Euro. Seit 2020 haben sich über 260 Forschungseinrichtungen, Universitäten, Museen, Akademien, Gesellschaften, Fachverbände und politische Instanzen zusammengeschlossen, um die digitale Zukunft ihrer Fächer zu gestalten. NFDI liefert Impulse und fördert die gemeinsame thematische Auseinandersetzung in den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Ingenieurswissenschaften, den Lebens- sowie Naturwissenschaften. Innerhalb des NFDI-Rahmens haben sich 26 Konsortien gebildet, die sich bis 2028 bestimmten Teilaspekten aus spezifischen Fachrichtungen widmen. In den Geisteswissenschaften gibt es vier Konsortien: NFDI4Culture, NFDI4Objects, NFDIText+ und NFDI4Memory.

NFDI4Memory als treibende Kraft für die Geschichtswissenschaft

NFDI4Memory setzt sich aus Vertreter:innen der Geschichtswissenschaft zusammen. Sie haben speziell im Blick, was beim Umgang mit digitalen Daten für Historiker:innen in ihrer täglichen Arbeit zwischen Forschung, Lehre und Vermittlung entscheidend ist. Folgende Einrichtungen sind bei NFDI4Memory als Co-Applicants beteiligt: Bayerische Staatsbibliothek, Deutsches Museum, FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur, Herder Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Hochschule Darmstadt, Humboldt-Universität zu Berlin, Landesarchiv Baden-Württemberg, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Universität Trier und der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands. Diese elf Organisationen werden als Co-Applicants bezeichnet und tragen die Verantwortung für die einzelnen Projekte innerhalb von NFDI4Memory. Darüber hinaus gibt es noch ein großes Netzwerk von über 80 Institutionen, die mit ihrer Expertise zum Gelingen von NFDI4Memory beitragen. Die Participants nehmen an Diskussionen teil, liefern Ideen und Daten und teilen Informationen in ihren Netzwerken.

Um die vielfältigen Aufgaben zu bündeln und zu strukturieren, gibt es innerhalb von NFDI4Memory sechs Task Areas (TA), die jeweils einen Teilaspekt der digitalen Geschichtsforschung verfolgen: Data Quality (TA1), Data Connectivity (TA2), Data Services (TA3), Data Literacy (TA4), Data Culture (TA5) und Participation and Steering (TA6).

Die Rolle des VHD innerhalb von NFDI und NFDI4Memory

Als Co-Applicant fällt dem VHD eine entscheidende Rolle bei der Durchführung von (Teil-)Projekten innerhalb der Task Area 5 zu. Zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin soll die Kultur des Faches verändert und hin zu digitalem Denken geöffnet werden. Es geht um ein aktives Gestalten der digitalen Zukunft der Geschichtswissenschaft, denn der Wandel soll nicht nur mitgetragen, sondern auch mitgestaltet werden. Dabei kann auf den bereits vorhandenen Kompetenzen und Erfahrungen der Geschichtswissenschaft sinnvoll aufgebaut werden.

Entscheidend für den VHD bei seinem Engagement für NFDI4Memory ist,

  • dass allgemeine und für das Fach spezifische wissenschaftliche Standards gewahrt werden.
  • dass Verfahren gefunden werden, die digitale Daten verlässlich und nachhaltig zugänglich machen. Dabei müssen auch Antworten auf ethische und juristische Fragen gefunden werden.
  • dass Herausforderungen und Ängste, die mit dem digitalen Wandel verbunden sind, nicht verschwiegen, sondern von Expert:innen aus allen Bereichen der Geschichtswissenschaft diskutiert und ernstgenommen werden.
  • dass digitale Geschichtswissenschaft jenseits bereits existierender Formate und spezifischer Communities durch offenen Austausch vorangetrieben wird. Summer Schools und Vortragsreihen zu Methoden und Forschungsansätzen der Digital History sind nur zwei Formate, mit denen NFDI4Memory in die Gemeinschaft hineinwirkt.
  • dass im Bereich der Geschichtswissenschaft arbeitende Menschen digitale Projekte erfolgreich durchführen können. Um georeferenzierte heat maps, komplexes data mining und andere digitale Methoden umsetzen zu können, bietet NFDI4 Memory Schulungen und ein Methodenlabor an.

Wichtig ist aber, dass NFDI4Memory den Rahmen für den Austausch schafft. Nur gemeinsam kann sich das Fach hin zu einer digitalen Forschung öffnen und sich dabei selbst treu bleiben.

Sie wollen wissen, wie es weitergeht bei NFDI4Memory?

Neue Entwicklungen sowie Veranstaltungshinweise werden regelmäßig über die 4Memory-Mailingliste verschickt. Bei Interesse besteht die Möglichkeit, sich hier einzutragen.

Sollten Sie Fragen zu NFDI4Memory und den Aufgaben des VHD haben, sprechen Sie uns gerne an. Seit Juli 2023 ist Christiane Weber als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim VHD für NFDI4Memory mit den Schwerpunkten Kommunikation und Koordination beschäftigt.

Einen zusammenfassenden Beitrag von Johannes Paulmann, John Carter Wood und Fabian Cremer über NFDI finden Sie im VHD Journal 2020. 

Eine Videoaufzeichnung des Gesprächs zwischen dem Wissenschaftsportal L.I.S.A. und NFDI4Memory-Vertreter:innen (PD Dr. John Carter Wood, Dr. Cord Pagenstecher und Dr. Marie von Lüneburg) finden Sie hier: