Der Historikertag ist das größte Podium der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft. In ihm spiegelt sich die aktuelle historische Forschung in ihrer ganzen Vielfalt und internationalen Vernetzung wider. Vom 16. bis 19. September 2025 fand der 55. Deutsche Historikertag in Bonn statt. Themenschwerpunkt waren Dynamiken der Macht.

„Macht“ und „Machtmissbrauch“ sind derzeit in aller Munde. Ursachen und Folgen von Macht werden allerdings ganz unterschiedlich bewertet und eingeschätzt. So legen beispielsweise die Diskussionen im Zuge der #MeToo-Bewegung, um kirchliche Institutionen oder um Universitäten bestehende Machtmechanismen und deren fatale Möglichkeiten zum Missbrauch offen. Daran anschließend wird gefragt, wie sich diese verändern lassen. In anderen Zusammenhängen – etwa in den internationalen Beziehungen spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine – wird Macht dagegen zunehmend als unhintergehbare Größe verstanden, die eine regelbasierte Ordnung in Frage stellt und die es, gewollt oder ungewollt, zu akzeptieren gilt.
In der Geschichtswissenschaft zählt Macht seit jeher zu den wichtigsten Analysekategorien. Für historische Untersuchungen geht es dabei immer wieder um ganz konkrete Fälle von Machtmissbrauch und -kontrolle. Gleichzeitig wird nach der Entstehung, dem Umgang oder der Wirkung von Machtverhältnissen gefragt. In historischer Perspektive erweist sich Macht als Produkt komplexer Beziehungsgefüge und existiert in Politik und Wirtschaft ebenso wie in Familien und Geschlechterbeziehungen. Neben formale Macht treten informelle Formen oder solche kommunikativer oder kultureller Art. Nicht zuletzt verweist das Motto „Dynamiken der Macht“ darauf, dass Macht, wie Herrschaft, eines Resonanzraums bedarf, innerhalb dessen sie sich entfalten kann und gleichzeitig Prozessen von Auflösung, Diffusion oder Subversion unterworfen ist.


Im Rahmen des Historikertags 2025 wurden wieder der Carl Erdmann Preis für die beste Habilitation sowie der Hedwig Hintze Preis für die beste Promotion vergeben.