AG „Künstliche Intelligenz“
Dynamische Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) verändern nachhaltig Arbeitswelten und menschliche Wissenskulturen. Auch für Historiker:innen zeichnen sich neue Chancen, aber auch Herausforderungen in der sich wandelnden gesellschaftlichen Kommunikations- und Informationspraxis ab. Der VHD möchte mit einer differenzierten Betrachtung in die vielstimmige, oft polarisierte Debatte wirken. Zentral ist die kritische Reflexion, um KI-basierte Instrumente gezielt einzusetzen, wo sie sinnvoll genutzt werden können – ohne die hohen Folgekosten für Gesellschaft, Kultur und Ökologie aus dem Blick zu verlieren.
Innerhalb des VHD beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des Ausschuss mit dem Einfluss von KI auf Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur.
Es gibt im VHD-Ausschuss mehrere Arbeitsgruppen, die sich mit zentralen Themen für die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen beschäftigen. Die AGs haben die Aufgabe, Vorstand und Ausschuss bei der Diskussion zentraler Fragen und der Formulierung von Lösungsansätzen zu unterstützen. Die AGs bestehen aus Mitgliedern des Ausschusses und des Vorstands.
Die AG „Künstliche Intelligenz“ ist eine von aktuell drei Arbeitsgruppen des Ausschuss. Daneben existieren AGs zu folgenden Themen:
Historisches Denken bleibt unverzichtbar – jetzt mehr denn je!
Zentrale Thesen zu Chancen und Herausforderungen von KI in der Geschichtswissenschaft
Historiker:innen sind Expert:innen in kritischem Denken und Informationskompetenz. Ihre Expertise ist angesichts aktueller technischer, sozialer und kultureller Dynamiken von wachsender Bedeutung.
Mit der methodengeleiteten, systematischen Quellenkritik verfügen Historiker:innen qua Ausbildung über die Fähigkeit, Herkunft, Entstehung, Strukturierung und Nutzung von Datensammlungen zu reflektieren. Digitale Quellen können sie – ebenso wie analoge – auf ihre Validität, ihre Biases und ihre Konsequenzen hin bewerten. Zugleich sind sie exzellent darin geschult, komplexe Zusammenhänge zu strukturieren, in ihren Voraussetzungen zu reflektieren und sie differenziert darzustellen und zu diskutieren. Damit verfügen Historiker:innen über essenzielle Kenntnisse, um die Dynamiken in einer stark digitalisierten Welt kritisch zu begleiten.
Kernaufgaben historischer Arbeit können nicht von KI geleistet werden.
Geschichtswissenschaftliches Arbeiten beruht nicht primär auf der Sammlung möglichst vieler Einzelinformationen über Vergangenes. Historisches Arbeiten ist in allen Bereichen von Entscheidungen bestimmt: Themenwahl, Bewertung des Forschungsstands, Hypothesenbildung, Auswahl und Begründung der Quellencorpora und damit die Sammlung historischer Informationen, ihre Bewertung und die Überführung der gesammelten Informationen in historische Darstellungen bzw. Argumentationen sowie historische Werturteile. In allen Phasen der historischen Arbeit ist zu prüfen, inwiefern KI unterstützend wirken kann – und was sie nicht ersetzen kann. Die Entscheidungen zur Auswahl von Datencorpora und Informationen, die Deutung sowie die Präsentation der Ergebnisse müssen in allen Schritten bei den Historiker:innen liegen, nicht bei der KI.
KI bereichert das Methodenrepertoire der geschichtswissenschaftlichen Forschung, ohne dadurch etablierte Kompetenzen zu ersetzen.
Je größer und homogener Quellenbestände bzw. Datensammlungen sind, desto besser können sie mithilfe von KI-Instrumenten erfasst und ausgewertet werden. Konkret kann das mit der Überführung schriftlicher Überlieferung in digitale Texte beginnen, mit dem Auslesen bestimmter Informationen oder auch dem Erstellen strukturierter Auswertungen. Methoden von KI-Modellen und ihrer Nutzung sind transparent zu dokumentieren. Dabei ist zu diskutieren, wo KI-Instrumente aufgrund der Datenmassen, knapper Personalressourcen oder der Fehleranfälligkeit menschlicher Arbeit Ergebnisse in ausreichender Qualität liefern können und wo sie an ihre Grenzen stoßen.
Kritische KI-Kompetenzen müssen systematisch in die Hochschullehre integriert werden
Digitale Quellen, Daten und Methoden sind integraler Bestandteil gegenwärtiger geschichtswissenschaftlicher Forschung. Der kompetente und kritisch-reflektierte Umgang mit ihnen – einschließlich KI-basierter Verfahren – muss deshalb systematisch in die geschichtswissenschaftliche Ausbildung integriert werden. Die data literacy, also unter anderem der kritisch-reflektierte Umgang mit KI, muss als Kernkompetenz in Schulen und während des Studiums der Geschichtswissenschaft erworben werden. Data literacy wird für die Berufspraxis, auf die Schulen und Hochschulen vorbereiten, immer wichtiger. Zugleich befürwortet der VHD eine breite Diskussion über neue Prüfungsformate, die unter den geänderten Bedingungen ein faires Prüfungsgeschehen gewährleisten.
Mitglieder
Aktuell gehören der AG folgende Personen an:
Christoph Dartmann, Christian Hoffarth, Ursula Lehmkuhl, Christoph Mauntel, Inken Schmidt-Voges sowie für die VHD-Geschäftsstelle Christiane Weber.