AG „Fachethische Fragen“
Machtmissbrauch in der Geschichtswissenschaft ist ein zentrales Thema der Arbeit der AG „Fachethische Fragen“. Ein zweiter Arbeitsschwerpunkt liegt seit 2026 auf der Personalstruktur an deutschen Universitäten.
Es gibt im VHD-Ausschuss mehrere Arbeitsgruppen, die sich mit zentralen Themen für die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen beschäftigen. Die AGs haben die Aufgabe, Vorstand und Ausschuss bei der Diskussion zentraler Fragen und der Formulierung von Lösungsansätzen zu unterstützen. Die AGs bestehen aus Mitgliedern des Ausschusses und des Vorstands.
Die AG „Fachethische Fragen“ ist eine von aktuell drei Arbeitsgruppen des Ausschuss. Daneben existieren AGs zu folgenden Themen:
Die AG Fachethik wurde 2024 vom damaligen Vorsitzenden Lutz Raphael eingerichtet. Anlass waren zahlreiche, teils medial bekannt gewordene Fälle von Machtmissbrauch in der deutschen Geschichtswissenschaft, die den Handlungsbedarf deutlich machten. Auch unter der Vorsitzenden Antje Flüchter setzt die AG ihr Arbeit fort.
Machtmissbrauch verhindern
Die AG mit ihren damaligen Mitgliedern Lutz Raphael, Antje Flüchter, Helene Henze, Cornelia Linde, unterstützt von Christiane Weber, wurde das Thema Machtmissbrauch in vielen Dimensionen diskutiert und Ergebnisse auf dem Historikertag 2025 in Bonn vorgestellt:
- In (straf- und arbeitsrechtlich) eindeutigen Fällen braucht es Konsequenz und Sanktionen – wir, also alle Beteiligten, vor allem aber diejenigen mit Führungsverantwortung, müssen hinsehen und handeln.
- Zugleich zeigte eine Umfrage, dass Machtmissbrauch kein Randphänomen einzelner Extremfälle ist, sondern häufig in subtileren Formen auftritt: in Diskriminierungen, Abwertungen, respektlosem Kommunikationsverhalten oder strukturell geforderter Überlastung.
- Gute Forschung und Lehre können jedoch nur in einer Arbeitsatmosphäre gelingen, in der sich alle Mitarbeiter:innen respektiert fühlen und ihre Arbeit gern ausüben.
- Wissenschaftliche Arbeit bietet große Freiheiten und Gestaltungsspielräume, zugleich erzeugen langfristig befristete Qualifikationsstellen im sogenannten Mittelbau spezifische Abhängigkeiten.
Diese strukturellen Bedingungen können Machtmissbrauch begünstigen. Deshalb setzt sich die AG Fachethik für eine Kultur des gegenseitigen Respekts ein. Sie hat ein Leitbild „Machtmissbrauch in der Geschichtswissenschaft verhindern“ einschließlich best practice Beispiele erarbeitet. Sie fordert darin unter anderem mehr Kommunikation zwischen Vorgesetzten/Betreuer:innen und Mitarbeitenden (zu Beginn eines Arbeits-/Betreuungsverhältnisses sowie regelmäßige Mitarbeiter:innengespräche), vor allem zu Absicherung der gegenseitigen Erwartungen. Alle müssen daran arbeiten, die Arbeitsbedingungen in der Geschichtswissenschaft nachhaltig zu verbessern.
Machtmissbrauch lässt sich nicht durch ein Leitbild oder einzelne Reformen dauerhaft beseitigen; er wird in alten wie neuen Formen immer wieder auftreten. Die AG entwickelt das Leitbild weiter und erarbeitet konkrete Strategien gegen auch subtilere Formen des Machtmissbrauchs. Mögliche Handlungsstrategien, aber auch Sanktionen und Konsequenzen von Machtmissbrauch waren im Leitbild nur angedeutet worden.
Personalstruktur an deutschen Universitäten
Zugleich nimmt die AG die strukturellen Rahmenbedingungen in den Blick. Die besondere Abhängigkeit von Mitarbeiter:innen gegenüber Vorgesetzten und Betreuer:innen ist tief in der traditionellen Personalstruktur des deutschen Universitätssystems verankert; aktuelle Stellenkürzungen und das Wissenschaftszeitvertragsgesetz haben die Situation verschärft. Reformansätze – etwa Departmentstrukturen – kämpfen bislang mit rechtlichen und föderalen Grenzen. Eine grundlegende Diskussion der Personalstruktur ist daher unerlässlich; wichtige Impulse bietet das Papier des Wissenschaftsrates.
Der VHD und die AG Fachethik bringen hierbei die spezifischen Bedingungen der Geschichtswissenschaft ein: Während andere Fächer dringend Nachwuchs suchen, droht in der Geschichtswissenschaft der Verlust einer ganzen Generation exzellenter Privatdozent:innen.
Auf dem Historikertag 2025 widmete sich je eine Debatte den Themenkomplexen Machtmissbrauch und universitären Personalstrukturen. Beide Veranstaltungen wurden aufgezeichnet und sind bei LISA, dem Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung veröffentlicht.
Bis zum nächsten Tag der Geschichtswissenschaft wird die AG diese Themen weiter bearbeiten und in Heidelberg berichten und Ergebnisse vorstellen.
Mitglieder
Aktuell gehören der AG folgende Personen an:
Marc Buggeln, Antje Flüchter, Teresa Huhle, Catharina Köhnke, Jana Osterkamp sowie für die VHD-Geschäftsstelle Christiane Weber.
Mitglieder 2024/25:
Antje Flüchter, Peter Haslinger (Thema KI), Helene Henze, Cornelia Linde und Lutz Raphael sowie für die VHD-Geschäftsstelle Christiane Weber.