Mitteilungen aus dem Verband

Einladung zur Mitgliederversammlung auf dem 51. Deutschen Historikertag

Sehr geehrte Mitglieder,hiermit lade ich Sie im Namen von Vorstand und Ausschuss des Verbandes der...

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Aktuelles aus der Geschichtswissenschaft

Symposium zum Gedenken an Gerhard A. Ritter

Gerhard A. Ritter (1929-2015) hat die historische Forschung in Deutschland und auf internationaler...

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Veranstaltungen

Staatsbibliothek zu Berlin
14.09.2016–25.10.2016, Berlin, Potsdamer Straße 33

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Der 50. Deutsche Historikertag fand in der Zeit vom 23. bis 26. September 2014 an der Georg-August-Universität Göttingen statt. Auch für diesen Historikertag hatten Vorstand und Ausschuss des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. (VHD) ein Motto gewählt, das als Orientierung bei der Beantragung von Sektionen diente. Es lautete:

"Gewinner und Verlierer".

Die Rede von "Gewinnern und Verlierern" gehört seit der Antike zum Kernbestand der Deutung historischen Geschehens. Das Bild vom Gewinner und Verlierer wird dabei von Wettbewerben wie dem sportlichen Wettkampf oder der demokratischen Wahl sowie von regelhaft geführten Konflikten geprägt, in denen sich am Ende Sieger und Besiegte gegenüberstehen. Aber auch historische Prozesse wie Aufbau oder Zerfall von Staatlichkeit, Neuerschließungen von Handelsrouten, koloniale Expansion und Verdichtungen von Kommunikationsräumen haben Gewinner und Verlierer, die sich nicht in direkter Interaktion gegenüberstehen müssen, sondern ggf. erst in der historischen Untersuchung und im historischen Urteil als solche hervortreten.

Dabei ist die Rede von Gewinnern und Verlierern stets an bestimmte Perspektiven gebunden. Annahmen darüber, welches "Spiel" eigentlich gespielt wird, und Erwartungen hinsichtlich der künftigen Entwicklung bestimmen mit, wer als Gewinner und wer als Verlierer gilt. Teleologische Geschichtskonzepte wie der Marxismus-Leninismus oder die vom britischen Historiker Herbert Butterfield schon 1931 kritisierte „Whig Interpretation of History“ haben Geschichte in aufeinanderfolgende Stadien geordnet, in denen um das letzte Ziel der Geschichte gerungen wird. Alle Geschichten von "siegreichen" Konzepten, sei es in der politischen Ideengeschichte, sei es in der Wissenschaftsgeschichte, sind jedoch nach den Blindstellen solcher Perspektiven zu befragen. Nicht realisierte Möglichkeiten, Seitenwege und vermeintliche Sackgassen in der Geschichte aufzuspüren, erfordert einen methodischen Ansatz, der um die heuristische Problematik der Einteilung in "Gewinner und Verlierer" weiß.

Den historiographischen Zuschreibungen von Sieg und Niederlage, Gewinn und Verlust steht das Selbstverständnis von Akteuren gegenüber. Wie Niederlagen oder Verluste erfahren und kommuniziert werden, ist nur aus der Perspektive der betroffenen Gruppen und Individuen zu erschließen. Diskurse von Verlierern können ein notwendiges Korrektiv für eine Geschichtsschreibung sein, die mit ihrem Objektivitätsanspruch diese Perspektive nur schwer einzunehmen vermag.

Das Motto des Historikertags zielte unter anderem auf folgende Fragen, die sowohl das historische Geschehen als auch die geschichtswissenschaftlichen Deutungskategorien betreffen:

  • Welche Vorannahmen sind wirksam, wenn historische Akteure in der Geschichtsschreibung zu "Gewinnern" oder "Verlierern" werden. Unter welchen Voraussetzungen finden Umdeutungen in der Rollenverteilung statt?
  • Wie gehen historische Akteure mit Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage um? Wie reagieren sie auf Verlust, u.a. an symbolischem Kapital wie Ehre? Welche Erfahrungsgewinne können aus Verlust entstehen? Welche Einbußen, etwa an politischer Umsicht, können auf der Seite der Sieger bzw. Gewinner zu verbuchen sein?
  • Welche Formen der sozialen Interaktion lassen "Gewinner" und "Verlierer" sichtbar werden, unter welchen Bedingungen wird dies in Hinblick auf künftige Kooperation gezielt vermieden?
  • Wie sind "Gewinner" oder "Verlierer" im historischen Gedächtnis präsent? Welche Rolle spielt die Repräsentation von Sieg und Niederlage, Gewinn und Verlust in Geschichtsbüchern, Filmen, Museen, im Geschichtsunterricht für das Rollenverständnis und die öffentliche Wahrnehmung von "Gewinnern" und "Verlierern"?
  • Welche Rolle spielt die Vorstellung der engen Korrelation von Gewinn und Verlust als Nullsummenspiel in der Geschichtsschreibung beispielsweise in der Militär- und Diplomatiegeschichte, aber auch in Feldern wie der Geschichte von Mensch und Umwelt, der Wirtschaftsgeschichte oder der Geschlechtergeschichte?
  • Welche historiographischen Konzepte und Narrative bilden eine Alternative zu der binären Einteilung in "Gewinnern" und "Verlierern"?

Informationen zum Programm des Historikertages finden Sie unter www.historikertag.de.